Kunst in Innsbruck

Utikal im Kunstraum Innsbruck: Nähen an einer neuen Welt

In einer zentralen Arbeit wird Sophie Utikals Textilkunst installativ: Im Kunstraum können BesucherInnen eines ihrer Bild betreten.
© Jarosch

Sophie Utikal entwirft für den Kunstraum Innsbruck eine Utopie, die Traum bleibt.

Innsbruck – Die eigens für die 8.-März-Demonstration entstandenen Banner waren noch voller kampflustiger Sprüche. Bunt und vielfältig wurde das „Schlumpfine-Prinzip“ verabschiedet oder „Das gute Leben für alle (Migrant*innen)“ gefordert. Gemeinsam mit Künstlerin Sophie Utikal nähten Interessierte in einem Workshop des Kunstraums Innsbruck lautstarke, feministische Kritik. Im Nachhall zum Weltfrauentag lädt der Kunstraum nun zur Ausstellung von Sophie Utikal. In ihren Textilarbeiten dort hat sie an einer ganz neuen Welt genäht. Heute Abend wird die von Kunstraum-Leiterin Ivana Marjanović kuratierte Soloshow „She had already learned to breathe underwater“ eröffnet.

Als Fenster hin zu einer neuen Art des Zusammenlebens beschreibt die in Berlin lebende Utikal ihre Kunst. Bei Ashley Hans Scheirl im Studium an der Bildenden in Wien fand sie zum Stoff. Da hatte sie Performance und Installation bereits hinter sich gelassen. Für ihre Ausstellung in Innsbruck nähert sich Utikal erstmals wieder der Installation, BesucherInnen lässt sie hier in eines ihrer Bilder eintreten. Mit dem atmosphärischen Soundtrack von Hyeji Nam klappt das wunderbar.

Während die zentrale Installation aus leichtem Chiffon Abstraktes formt, sind frühere Arbeiten in festem Stoff oder Lederresten, die u. a. im Museion Bozen oder im Neuen Wiener Kunstverein zu sehen waren, weitaus konkreter. Ausgehend vom eigenen Ich mit Wurzeln in Kolumbien, sind es Women of Color, die auf Utikals Bildern repräsentiert sind. Unaufgeregt sitzen oder liegen sie da, endgültig verschmolzen mit der Umgebung. Ein Davor und Dahinter gibt es dort, wo die schwarze Naht der rote Faden ist, nicht mehr. Übrig bleibt ein harmonisches, pastellfarbiges Nebeneinander – das wirkt weniger kitschig als sanft tröstend.

Utikals Frauen haben längst Strategien entwickelt, wie sie sich in einer für Männer gemachten Welt und einem langsam sterbenden Planeten einfinden. Sie haben – wie der Titel vermittelt – gelernt, unter Wasser zu atmen. Die Utopie ist formuliert. Wie oft ihnen bis dahin zuweilen die Luft zum Überleben wegblieb, scheint beim Träumen vergessen. Die Dringlichkeit bleibt bei Utikal den Demobannern vorbehalten.

Kunstraum Innsbruck

Maria-Theresien-Straße 34, Innsbruck;

bis 29. April, Di–Fr 13–18 Uhr, Do 13–20 Uhr, Sa 10–15 Uhr.

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