Viele wollen Jesus sein

Rockoper in Kufstein: Großer Andrang bei Casting für „Jesus Christ Superstar“

Jetzt zählt es. Teresa und Markus versuchen sich eine Rolle in „Jesus Christ Superstar“ zu ersingen. Die Entscheidung liegt bei Produktionsleiter Enrique Gasa Valga (mittleres Bild).
© Axel Springer

Großer Andrang beim Casting für „Jesus Christ Superstar“. Von 300 BewerberInnen winkt nur 18 eine Rolle in Andrew Lloyd Webbers Rockoper, die Enrique Gasa Valga in Kufstein inszeniert.

Innsbruck – Enrique Gasa Valga ruft. Und gleich mehrere Herren möchten wie weiland der Heiland unter Anweisung des Tanz-Zampanos ans Kreuz genagelt werden. Sinnbildlich. Als Titelfigur in „Jesus Christ Superstar“, eines als Rockoper titulierten Sing- und Tanzspektakels aus der Feder von Komponist Andrew Lloyd Webber. Der britische Superstar des Musicalfachs hat Jesus’ (vorläufig) letzte Tage auf Erden vor 50 Jahren vertont, mit Texten von Tim Rice. Seither fällt beider Produkt in die Kategorie „Kassenmagnet“.

Als diesjährige Attraktion des Operettensommers dürfte es mit „Jesus Christ Superstar“ auf der Festung Kufstein ab 28. Juli nicht viel anders sein: Unterhaltung vor voller Hütte. Dafür garantieren zwei Namen – jener Lloyd Webbers und jener Gasa Valgas, der beim Operettensommer zum zweiten Mal als Choreograf und Regisseur fungiert. 2022 gab es mit „Evita“ ausverkaufte Abende und in Summe 20.000 Besucher.

📽️ Video | Operettensommer castet Darsteller:

Das sängerische Personal steht Schlange, um bei „Jesus Christ Superstar“ eine Rolle zu ergattern. 300 Bewerbungen langten ein. 100 Sängerinnen und Sänger durften zum finalen Casting, das dieser Tage im Canisianum Innsbruck stattfand, international, wie in der Branche üblich: Vorsingende aus Deutschland, Italien, den USA, Kanada, aus Schweden und Österreich. Viele Männer wollen Jesus sein, obwohl der Part des verräterischen Judas, rein dramaturgisch, auch sehr viel hergeben würde.

Jeffrey aus New Jersey hat seinen Auftritt vor der Jury – mit u. a. Gasa Valga selbst sowie seiner rechten Hand am Tiroler Landestheater, Balletmeisterin Martine Reyn – schon hinter sich. „Jetzt heißt es warten“, sagt der 42-Jährige Amerikaner, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt und ausgebildeter Opernsänger ist, mit Referenzen in Mozarts „Zauberflöte“.

Über Kufstein-Erfahrung verfügt Benoit Pitre. Der Kanadier gab in „Evita“ den Part des argentinischen Präsidenten Juan Perón. Heuer stellt sich Pitre wieder artig in der Casting-Reihe an. Er zückt eine Startnummer und wartet auf seinen Vorgesang, begleitet vom musikalischen Leiter Günter Werno am Klavier. Mit seinem tiefen Bass hat sich Pitre für die Rolle von Hohepriester Kajaphas beworben.

Dann ist Markus aus Wien an der Reihe. Groß und bärtig scheint er in der angestrebten Rolle des Jesus schon ziemlich angekommen. Er singt inbrünstig und auf Knien, er spielt das Leiden Jesu mit ganzem Einsatz, ganz so, als ob er sich vor vollen Rängen wähnt.

Wie alle Möchte-gern-Darsteller muss aber auch Markus („nach so einem Song fühlt man sich wirklich wie gekreuzigt“) auf das Prinzip Hoffnung setzen. Die Jury lässt sich nicht in die Karten blicken. Ein knappes „Dankeschön!“ verabschiedet die Vortragenden. Nachricht von Gasa Valga folgt erst in einigen Tagen. 18 der 100 Casting-TeilnehmerInnen werden verpflichtet. Eine goldene Nase ist bei einer Produktion mit überschaubaren Mitteln wie dieser nicht zu verdienen.

Teresa (24) ist seit fünf Uhr Früh auf den Beinen: mit dem Zug von Klagenfurt nach Innsbruck, vorsingen, vortanzen, am Abend retour. Die Kärntnerin hat eine Musicalausbildung in England absolviert, wurde von Corona gebremst und ist nun auf der Suche nach dem ersten größeren Engagement. Sie hat sich für Maria Magdalena beworben, die einzige Frauenhauptrolle im männerlastigen Treiben um Jesus’ Dahinscheiden.

„Wie soll ich ihn nur lieben?“ singt die junge Frau an diesem Nachmittag voller Gefühl. Eine Liebe ist ganz offensichtlich: jene zu ihrem Beruf. Deshalb ist Teresa hier, an der Seite Dutzender Mitbewerber- Innen. Für ein paar Minuten Gesang, die den Weg nach Kufstein ebnen sollen.

Gasa Valga gründet eigene Firma und bleibt

Nach 14 Jahren geht die Ära von Enrique Gasa Valga als Chef der Tanzsparte am Tiroler Landestheater im Sommer zu Ende. Die neue Intendantin Irene Girkinger hat neue Führungskräfte engagiert. Der Wirbel in des Spaniers großer Fangemeinde war beträchtlich.

Gasa Valga „will in Innsbruck bleiben“, wie er der TT versichert. Er habe mehrere berufliche Optionen. Mit Freund, Mäzen und Versicherungsmakler Christian Steinmayr hat der Katalane eine Produktionsfirma gegründet. Deren erster Output ist „Jesus Christ Superstar“ in Kufstein. Mit wirtschaftlichem Know-how von Steinmayr unterstützt, wird Gasa Valga nicht nur künstlerisch, sondern auch finanziell verantwortlich sein.

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