Auch wärmere Gewässer ein Grund

Fischsterben in Tirols Flüssen: Ein Parasit und andere Probleme

Die Bachforelle fühlt sich in kühlen Gewässern besonders wohl. Hat sie es zu warm, bedeutet das einen massiven Stress für das Tier.
© Schähle

Durch eine Vielzahl von Einflüssen geraten Tirols Fische zunehmend unter Druck.

Innsbruck – Die Meldung von einem Erreger, der in Tirols Gewässern ganze Fischpopulationen dahinrafft, hat vergangene Woche für Aufregung gesorgt. Denn laut einer Aussendung des Landes Tirol löst dieser die parasitäre Nierenkrankheit PKD aus. In elf von 19 untersuchten Gewässerabschnitten wurde der Krankheitserreger nachgewiesen, darunter auch in Gewässern mit einem guten ökologischen Zustand wie dem Lech. Klar scheint zudem, dass es einen Zusammenhang zwischen der Wassertemperatur und dem Ausbruch der Krankheit gibt: Übersteigt die Wassertemperatur die 15-Grad-Grenze über einen längeren Zeitraum, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Fische an PKD erkranken.

Dass der Parasit in den Gewässern Tirols nachgewiesen werden konnte, sei an und für sich noch nicht das große Problem, meint dazu Zacharias Schähle, Geschäftsstellenleiter des Tiroler Fischereiverbandes. „Das Vorkommen von Parasiten in Gewässern ist etwas ganz Normales. Problematisch wird es dann, wenn sich die Rahmenbedingungen in einem Gewässer so ändern, dass der Parasit überhandnimmt“, sagt Schähle.

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Nachdem der Parasit ab einer Wassertemperatur von 15 Grad besonders aktiv ist, müsse man genau dieses Problem im Auge behalten. Denn zu warme Gewässer bedeuten für einige Fischarten wie etwa die Bachforelle einen massiven Stress, der es den Parasiten leicht macht, einen Wirt zu befallen und sich zu vermehren. „Und nicht nur der Klimawandel sorgt für wärmere Gewässer, sondern auch geringe Restwassermengen durch Kraftwerksbauten“, erinnert Schähle. Ebenfalls ein Faktor seien verbaute oder abgeholzte Uferrandstreifen. Denn dann fehlen dem Gewässer die schattenspendenden und damit kühlenden Weiden, Gräser und Gehölze. Der Mensch könne also durchaus einen Beitrag dazu leisten, dass sich die heimischen Flüsse und Bäche nicht zu schnell erwärmen.

Schähle sieht in der Diskussion um den Fischschwund im Zusammenhang mit dem Erreger weiters die Gefahr, dass sämtliche anderen menschengemachten Einflüsse auf die Ökosysteme der Fische bagatellisiert werden könnten und der Erreger als Sündenbock für alles herhalten muss. „PKD wird eine Rolle spielen. Man darf deswegen aber nicht die anderen Versäumnisse ignorieren“, warnt Schähle.