Stadt ringt um Hilfe für Kultur
Zur Abfederung der Teuerungswelle sollen im zweiten Anlauf 270.000 Euro fließen. GR Onay macht Druck.
Innsbruck – Die Teuerungswelle rollt. Die Politik spielt Krisenfeuerwehr und beschließt, wie zuletzt die Landesregierung, Zuschusspakete fürs Wohnen und Heizen in privaten Haushalten.
Der Vergleich zu Corona drängt sich auf. Auch nach Ausbruch der Pandemie ergoss sich ein Förderungsregen über zahllose Empfänger, doch die Kultur wurde anfänglich übersehen. Wiederholt sich diese Geschichte?
Tatsache ist, dass vielen freien Kulturinitiativen nach teils astronomischen Preisschüben finanziell das Wasser bis zum Hals (und weiter aufwärts) steht. Die kleine Veranstaltungsplattform p.m.k. in Innsbruck muss beispielsweise im Zuge der Indexanpassung (Inflation) 11.000 Euro mehr Miete im Jahr berappen, die TT berichtete.
Doch die Teuerungsspirale dreht sich noch deutlich weiter hinauf: Das freie Theater Brux hat für seine Räumlichkeiten in der Innsbrucker Wilhelm-Greil-Straße knapp 28.000 Euro mehr per annum an Mieten und Betriebskosten zu überweisen. Und die Tiroler Künstler:innenschaft verzeichnet unter dem Titel „Teuerung“ Mehrkosten von rund 68.000 Euro.
„Wir müssen reagieren, bevor es zu spät ist und zu Schließungen kommt“, warnt der Innsbrucker Gemeinderat Mesut Onay von der Einmannfraktion Alternative Liste (ALI). Onay ist selbst in der städtischen Kulturszene tätig. „Die Kultureinrichtungen brauchen jetzt ein Finanzierungskonzept“, sagt Onay. Land und Stadt sollten gemeinsam mit den Kulturvereinen an einem runden Tisch über ein Hilfspaket beraten und dieses dann dem Gemeinderat vorlegen. Das beantragt Onay mit dem Vermerk „dringend“ in der nächsten Sitzung.
Damit liegt der Ball bei Bürgermeister Georg Willi (Grüne). Er ist Finanzreferent der bekanntlich sehr fragilen Stadtregierung. Das städtische Oberhaupt erinnert daran, dass seine grüne Parteikollegin und Kulturstadträtin Uschi Schwarzl schon 2022 der Kultur helfen wollte – mit einem Teuerungsausgleich im Umfang von 270.000 Euro. Der Antrag sei jedoch gegen den Willen der Grünen zurückgestellt worden, um auch Sozial- und Sportvereine in das Paket mit aufzunehmen.
Im April unternehmen die Parteien des Stadtsenats einen neuen Anlauf in Richtung erweitertes Anti-Teuerungspaket. „Die 270.000 Euro für die Bezuschussung der freien Kultur sollten dann zur Verfügung stehen“, hofft Willi.
Onay glaubt nicht, dass es damit getan ist. „Ich rechne mit einem Zuschussbedarf für die Kultur von 500.000 Euro.“ Auch Kulturstadträtin Uschi Schwarzl „kann nicht sagen, ob 270.000 Euro ausreichen“. Energiekosten würden aber vom Bund mitgefördert. Zuschüsse aus diesem Titel seien in Bälde möglich, so Schwarzl. Finanzielle Hilfe zur Abfederung der Mietkosten im Kulturbereich könne aber erst später erfolgen.