FIFA-Kongress

Kein Gegenkandidat: Infantino als FIFA-Präsident wiedergewählt

Bleibt bis 2027 FIFA-Boss: Gianni Infantino.
© FRANCK FIFE

Wien/Kigali - Gianni Infantino ist wie erwartet als FIFA-Präsident im Amt bestätigt worden. Der 52 Jahre alte Schweizer wurde am Donnerstag beim Kongress des Fußball-Weltverbands in Kigali zum insgesamt dritten Wahl an die Spitze gewählt, er tritt seine zweite vollständige Amtszeit an. Die Abstimmung in der BK Arena der Hauptstadt von Ruanda erfolgte per Akklamation - die Delegierten zeigten mit Applaus ihre Zustimmung. Infantino war der einzige Kandidat.

"Alle, die mich lieben, und das sind viele, und alle die mich hassen, ich weiß, es gibt da ein paar - ich liebe euch alle", sagte Infantino nach seiner Wahl. FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura erwiderte umgehend: "Wir lieben Sie, Präsident." Infantino kündigte an, weiter hart zu arbeiten, "um die Welt des Fußballs zu vereinen".

Infantino genießt den Rückhalt der großen Mehrheit der 211 FIFA-Nationalverbände. Unter seiner Führung hat der Weltverband seit seiner Übernahme der Amtszeit von Joseph Blatter Anfang 2016 große wirtschaftliche Erfolge erzielt. Bis 2026 wird mit Einnahmen in Höhe von mindestens elf Milliarden US-Dollar (10,43 Mrd. Euro) gerechnet, das Geld wird in großen Teilen an die Verbände weitergegeben.

Alle, die mich lieben, und das sind viele, und alle die mich hassen, ich weiß, es gibt da ein paar - ich liebe euch alle.
Gianni Infantino, FIFA-Präsident

"Das Geld der FIFA ist euer Geld", sagte Infantino beim Kongress zum wiederholten Mal. Dabei verwies er kurz vor der Wahl auf seine eigenen Verdienste: "Wenn ein Unternehmer ankündigen würde, dass die Dividenden um das Siebenfache erhöht werden, würde man ihn auf ewig behalten, dann ginge es nicht nur um ein Vierjahresmandat."

Der wie sein Vorgänger Blatter (87) im Schweizer Wallis geborene Infantino war vor seinem Wechsel zur FIFA Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union UEFA. Nach der Ablösung von Blatter wurde er im Sommer 2019 in seine erste vollständige Amtszeit gewählt. Da die ersten knapp dreieinhalb Jahre nicht angerechnet werden, kann Infantino im Jahr 2027 erneut für vier Jahre gewählt werden.

Johann Gartner, der Interimspräsident des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB), hatte im Vorfeld angekündigt, für Infantino zu stimmen. In Teilen Europas ist der Schweizer aber stark umstritten. So hatten die Verbände von Deutschland, Norwegen und Schweden angekündigt, Infantino nicht zu wählen. Etliche Affären und Ungereimtheiten prägten das Bild des FIFA-Präsidenten. In der Schweiz ermitteln zwei Sonderstaatsanwälte in einer undurchsichtigen Justiz-Affäre gegen Infantino, der alle Vorwürfe zurückweist. (APA/dpa)

FIFA will WM-Prämien bei Frauen-Turnieren ab 2027 angleichen

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat das Ziel ausgegeben, bei der Fußball-WM der Frauen 2027 die gleichen Prämien zu zahlen wie bei der WM der Männer 2026. Bei der WM der Fußballerinnen in diesem Jahr in Australien und Neuseeland werden 150 Millionen US-Dollar (142,2 Mio. Euro) ausgeschüttet und damit zehnmal mehr als 2015, sagte der 52-Jährige beim FIFA-Kongress am Donnerstag in Kigali. Bei der Männer-WM 2022 in Katar waren 440 Millionen Dollar an die 32 Teams gezahlt worden.

Für den Schritt auf dem Weg zur gleichen Entlohnung von Fußballerinnen nahm der wiedergewählte Chef des Weltverbandes Rechteinhaber und Sponsoren in die Pflicht. Die FIFA erhalte Angebote dieser Partner, die für Frauen-Turniere zehn bis einhundert Mal niedriger seien als für Männer-Turniere, sagte Infantino. "Denken Sie, das ist normal?"

150 Nationalspielerinnen hatten in einem Brief an die FIFA die Angleichung von Prämien bereits für die WM 2023 gefordert. Rechteinhaber und Sponsoren würden einhundert Mal weniger zahlen, obwohl die Einschaltquoten vergleichbar seien, vielleicht um 20 Prozent geringer, argumentierte Infantino. "Dann bietet uns 20 Prozent weniger." Frauen würden viel, viel mehr verdienen als sie bekommen. "Wir werden für sie kämpfen", versprach der Schweizer, der seine komplette Schlussansprache beim Treffen der Mitgliedsverbände in Ruanda diesem Thema widmete.