Vortrag in Nassereith: Großes Interesse an der Römerzeit
Nassereith – Der Andrang überraschte. Denn der Gemeindesaal in Nassereith war am Mittwochabend doch bis auf wenige Sitzplätze gefüllt. Das Thema des Vortrages: archäologische Funde und Grabungen rund um Nassereith. Als Vortragender führte der Innsbrucker Archäologe Univ.-Prof. Gerald Grabherr in die Zeit der Römer zurück – ein anerkannter Experte für die Via Claudia Augusta, die 47 n. Chr. von Kaiser Claudius „begradigt und ausgebaut“ wurde. Seitdem verbindet die Straße über Fernpass und Reschen die Adria mit der Donau. Grabherrs Fazit: „Der Transit über den Fernpass ist nicht nur Erscheinung von heute. Es gab ihn schon vor 2000 Jahren in ähnlicher Form.“
Davon zeugen in Nassereith, am Fernpass und im Gurgltal rund 1000 Funde und Grabungsstätten wie Dormitz und Strad. In Dormitz könne von einer Siedlung Einheimischer ausgegangen werden, in Strad wurde eine „private“ Raststation entdeckt. Gewürzt werden diese Ausgrabungen von Münzfunden, die von einem Legionsdenar von Marc Anton (31/32 v. Chr.) bis zu den Weströmischen Kaisern des späten vierten Jahrhunderts reichen.
Grabherr präsentierte dazu Einzelfunde der regionalen Sondengeher und „Assistenten“ der Uni wie Franz Neururer und Andreas Tangl. Neururer entdeckte etwa einen seltenen römischen Helm mit Nackenschutz (derzeit in der Sonderausstellung im Zeughaus zu sehen) oder auch vor zwei Jahren ein Depot am Fernpass.
„Mit dieser Anzahl an Funden entlang der Trasse am Fernpass sind wir Weltspitze“, erklärte der Archäologe. Es wäre wünschenswert, diese Stücke „dauerhaft zu zeigen“. Via-Claudia-Obmann Walter Stefan erinnerte an die Fließer Initiative, das Archäologiemuseum zu etablieren. Nassereiths Bürgermeister Herbert Kröll ist nicht abgeneigt: Ein HTL-Projekt liegt vor, das 1,4 Millionen Euro kosten würde. „Aber dafür braucht es Hilfe von Land und EU“, so Kröll. (pascal)