„Broker": Zwei Männer und ein handelsübliches Baby
In „Broker“ erzählt Regisseur Hirokazu Kore-eda anhand eines heiklen Themas eine Geschichte voller Menschlichkeit.
Innsbruck – Handel mit weggelegten Babys ist das Kerngeschäft der beiden auch selbst vom Leben gebeutelten Kleinganövchen Sang-hyun (Song Kang-ho wurde für diese Rolle in Cannes ausgezeichnet) und Dong-soo (gespielt von Gang Dong-won). Eine Babyklappe im südkoreanischen Busan ist Quell ihrer Machenschaften: Die beiden schnappen sich Babys und suchen, gegen viel Bares, prospektive Adoptiveltern.
Und schon kommt Nachschub: So-young (dargestellt von Popstar Lee Ji-eun) bringt ihr Neugeborenes zur Baby- klappe, versehen mit der Notiz, dass sie zurückkommen werde. Die junge Frau hat für ihr Vorgehen gute Gründe, wie später zu erfahren ist.
Doch Sang-hyun und Dong-soo rücken den kleien Buben nicht mehr raus. Die Suche nach neuen Eltern läuft. Kindsmutter So-young, die dem Kleinen anfangs eher reserviert begegnet, heftet sich den beiden Reserve-Papas auf die Fersen. Mit dem Rostlauben-Van, bei dem sich, wohl gewollt ironisch, die Heck-Klappe nicht schließen lässt, werden Paare besucht, die den Säugling in Augenschein nehmen. Doch dann entsprechen seine Augenbrauen nicht den Vorstellungen und den Überbringern wird unterstellt, sie hätten das Babyprofil am Photoshop nachbearbeitet.
Broker
Seit dieser Woche im Kino.
Ein Baby als Handelsware, daher auch der börsianische Titel „Broker“, das klingt nach einem zynischen, abartigen Spiel auf dem Rücken verzweifelter Mütter und hilfloser Menschenkinder.
Doch Regisseur Hirokazu Kore-eda mag die Menschen. Das wissen wir seit seinem Cannes-Siegerfilm „Shoplifters“ (2018) mit dessen liebenswürdigen, diebischen Figuren. „Broker“ ist dazu die logische Fortsetzung. Auch die zwei Baby-Verscherbler sind keine schlechten Menschen. Sie wollen den gestrandeten Kindern ein Leben im Waisenhaus ersparen. Sie sollen in einer Familie aufwachsen. Dong-soo wurde selbst als Kind von seiner Mutter aufgegeben. Die Traurigkeit darüber steht dem erwachsenen Mann noch immer ins Gesicht geschrieben.
Mutter, Kind und die beiden selbsternannten, recht tolpatschigen Adoptionsvermittler wachsen unterwegs zu einer Patchwork-Familie auf Zeit zusammen. Da ist die Hysterie groß, als das Baby kränkelt, da werden Zeitpläne fürs Wickeln entworfen.
Zuwachs erhält das Quartett durch den Buben Hae-jin (Seung-soo Im). Der Ausreißer aus dem Waisenhaus versteckt sich im Klappermobil der vier. Die gute Laune des Buben wirkt ansteckend.
Als zwei Kommissarinnen, den Babyhändlern schon länger auf der Spur, den Deal auffliegen lassen, ist Schluss mit lustig. Doch auch Polizistinnen sind nur Menschen.