Kultur Österreich

Poptrio Sharktank ist "mehr in Extreme gegangen"

Sharktank sind Michael "Mile" Lechner, Katrin Paucz und Marco Kleebauer
© APA

Mit ihrem Debüt haben sie vor drei Jahren einen Nerv getroffen: Das Wiener Trio Sharktank lieferte auf "Get It Done" einen unmittelbar funktionierenden Popsound, der sich an Indie ebenso orientierte wie Hip-Hop. Nun legen Sängerin und Gitarristin Katrin Paucz, Rapper Michael "Mile" Lechner sowie Schlagzeuger und Produzent Marco Kleebauer mit "Acting Funny" nach. "Es hat sich wie ein natürliches Wachstum angefühlt", sagt Paucz über das neue Material.

Was insofern unterschrieben werden kann, als die zwölf Songs (plus drei Skits) zwar die bekannten Zutaten nutzen, diese aber eine Spur kohärenter servieren. "Der Workflow ist zwar gleich geblieben, aber unser Ansatz, wie wir an die Songs herangegangen sind, hat sich verändert", rekapituliert Mile im APA-Interview. Waren die ersten Ergebnisse noch sehr nah am Debüt, habe man danach einen Cut gesetzt. "Wir wollten einfach den nächsten Schritt machen. Also sind wir mehr in Extreme gegangen und haben uns aus der Komfortzone bewegt."

Das hatte zur Folge, dass etwa Mile und Paucz für ihre Gesangsparts neue Ausdrucksformen probiert haben, während sich Kleebauer auf der Suche nach dem "richtigen" Drumsound schon mal mehrere Tage Zeit nahm. Abgerundet wird die stilistisch wieder sehr bunte Platte durch die erwähnten Skits. "Die Story, die wir uns für diese Interludes ausgedacht haben, soll das Album zusammenhalten und ihm einen Charakter geben", so Mile. "Das war wie eine Personifizierung: Die Person, die die Skits spricht, macht gewissermaßen das Album durch. So wollten wir dem eine Menschlichkeit geben."

Inhaltlich verarbeiten Sharktank unterschiedlichste Dinge, wobei Selbstbestimmung und Abgrenzung von anderen dabei ebenso eine Rolle spielt wie ein selbstkritischer Blick. "Wir haben einfach unterschiedliche Sichtweisen und individuelle Erfahrungen zu ähnlichen Themen", beschreibt Mile dieses Spannungsverhältnis. Für Paucz ist es oft so, dass "die reflektive Komponente eher am Schluss kommt - teilweise ein Jahr später. Da denkst du dir dann: Ah, das habe ich damit gemeint. Aber im Eifer des Gefechts ist dein Hirn aus und deine Hand macht einfach", lacht die Musikerin.

Einfach machen, das wäre auch eine gute Beschreibung für den Arbeitsethos der Band. Im Studio von Kleebauer wird in erster Linie ausprobiert - was gefällt, bleibt, was nicht funktioniert, wird über Bord geworfen. Schranken wolle man sich sowieso keine setzen. Das betrifft auch so poppige Stücke wie "Busy" oder "Never Ever Ever", die noch beim Debüt wohl undenkbar gewesen wären. "Mittlerweile ist die Schamgrenze nicht mehr so hoch", schmunzelt Paucz. "Wir kennen uns ja schon länger. Also schauen wir einfach mal, vielleicht wird es ja cool. Diese Einstellung hatten wir."

Der Kreativprozess sei ohnedies ein bisschen vom Zufall geleitet. "Irgendwann beginnst du und weißt ungefähr, wie du von A nach B nach C kommst. Aber jeder dieser Punkte kann irgendwas sein", nickt Mile. "Gehst du beispielsweise zwei Stunden später ins Studio, machst du wahrscheinlich einen komplett anderen Track." Er sei nicht der Typ, der vorher schon genau weiß, was am Ende herauskommt. "Dieser Prozess macht einfach Spaß, das ist unsere Spielwiese. Und die Idee, die für uns gemeinsam am meisten Sinn macht, setzt sich letztlich durch."

So etwa auch der kinderreimartige Einstieg beim überspitzt fröhlichen "H-A-P-P-Y": "Das hat auch mit 'Sound of Music' zu tun", erklärt Mile. "Überall auf der Welt wirst du mit diesem Film konfrontiert, wenn du aus Österreich kommst. Als ich ihn mir eines Tages dann tatsächlich angeschaut habe, dachte ich nur: Niemand kann so gut drauf sein die ganze Zeit", lacht der Rapper. "Immer nur rumlaufen und singen, das ist einfach diese Disney-Realität. Dabei ist es mittlerweile eher so, dass man oft seine Meinung gar nicht mehr sagt, weil wir alle so harmoniebedürftig sind. Aber wir kaufen euch nicht ab, dass ihr so gut drauf seid. Dieses Element hat den ganzen Track beeinflusst."

Indirekt abgefärbt haben auch die Livegigs der vergangenen Jahre. "Auf der Bühne geben wir gern Gas, da passiert viel Action", so Mile. "Irgendwann denkst du dir: Gefühlt schreie ich da eine Stunde lang durch, während im Studio alles etwas ruhiger ist. Also versucht du, diese Energie in die Aufnahme reinzubringen. Einfach dieses aus dir Rausgehen." Apropos live: Für die ab Mai anstehende Tour gebe es einige neue Showelemente. "Die Basics wie Krabbeln können wir schon, jetzt geht es ab in die Laufschule", meint Paucz zu den Konzerten mit einem Augenzwinkern.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

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