World Happiness Report 2023

Wieder die Nummer 1 der Welt: Darum sind die Finnen so „glücklich”

Zum sechsten Mal in Folge wurde Finnland zum Land mit der glücklichsten Bevölkerung der Erde gekürt
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Den Finnen geht es weiterhin ganz besonders gut. Trotz einer langen Grenze zu Russland und den Wirren ihres NATO-Beitritts bleiben sie die zufriedenste Bevölkerung der Erde. Woher kommt dieses finnische Glück, das sich offenbar durch kaum etwas erschüttern lässt?

Helsinki ‒ Finnland bleibt das Land mit der glücklichsten Bevölkerung der Erde. Der EU-Staat im hohen Norden Europas führt auch im sechsten Jahr in Folge den Weltglücksbericht an, der am Montag anlässlich des Internationalen Tags des Glücks veröffentlicht wurde.

Trotz Sicherheitssorgen wegen des Angriffskriegs ihres Nachbarlandes Russland in der Ukraine und ihres noch nicht abgeschlossenen NATO-Beitritts halten die Finninnen und Finnen alle weiteren Länder der Erde klar auf Distanz: Dänemark folgt auf Platz zwei, dahinter Island, Israel, die Niederlande und Schweden. Österreich kam wie im Vorjahr auf Rang 11.

Globales Glück troz Krisen bemerkenswert konstant

Die am Bericht beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstellen die Länderrangliste auf Basis von Umfragen des Instituts Gallup zur Lebenszufriedenheit in den drei zurückliegenden Jahren. Daraus entsteht eine länderspezifische durchschnittliche Lebensbewertung, die laut den Experten trotz der Krisenzeit mit Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, hoher Inflation und Klimakrise erstaunlich konstant geblieben ist.

"Das durchschnittliche Glück und unser Länder-Ranking sind während der drei Covid-19-Jahre bemerkenswert stabil geblieben", resümierte der Wissenschaftler John Helliwell von der kanadischen Universität von British Columbia.

Nur an den Rändern des Rankings gibt es laut Helliwell und seinen Kollegen deutliche Abweichungen vom Rest der untersuchten Staaten: bei Finnland mit einem Wert von rund 7,8 von 10 an der Spitze sowie beim kriegsgebeutelten Afghanistan (1,9) und dem Libanon (2,4) am Ende des Rankings, das insgesamt 137 Staaten auflistet.

Auszug aus der Rangliste der Länder

  1. Finnland
  2. Dänemark
  3. Island
  4. Israel
  5. Niederlande
  6. Schweden
  7. Norwegen
  8. Schweiz
  9. Luxemburg
  10. Neuseeland
  11. Österreich
  12. Australien
  13. Kanada
  14. Irland
  15. USA
  16. Deutschland

Zurückhaltendes und stolzes Volk

Was genau die Finnen zufriedener als alle andere Völker der Erde macht, darauf gingen die Glücksforscher in dem Bericht nicht näher ein. Sie haben jedoch eine Reihe von Schlüsselfaktoren ausgemacht, die Menschen generell glücklicher machen, etwa soziale Unterstützung, Einkommen, Freiheit und die Abwesenheit von Korruption.

Glückliches Land, coole Ministerpräsidentin: Sanna Marin steht seit 2019 in Finnland an der Regierungsspitze.
© AFP

Die rund 5,5 Millionen Einwohner Finnlands bilden ein zurückhaltendes und bescheidendes, aber auch ein stolzes und widerstandsfähiges Volk. Dass sie immer wieder zu den Glücklichsten der Erde gekürt werden, lässt an diesem nebeligen Montag viele auf den Straßen von Helsinki etwas ratlos zurück. "Ich weiß es auch nicht. Es könnte am schönen Wetter liegen", scherzt eine Frau mit Blick auf den weißgrauen Himmel und das Thermometer, das in diesem Moment zwei Grad Celsius anzeigt. "Aber ernsthaft: Warum immer wir?", fragt sie sich.

Mit dem alltäglichen Leben zufrieden

Peter Stadius von der Universität Helsinki hat mögliche Antworten darauf parat. Der Glücksbericht zeige, dass die Finnen Vertrauen in die gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen hätten, aber auch, dass sie schon mit Wenigem zufrieden seien, sagt der Historiker und Experte für Nordische Studien der Deutschen Presse-Agentur.

Die Menschen im Norden seien mit dem alltäglichen Leben zufrieden und vertrauten darauf, dass es bei ihnen wenig Korruption gebe und dass Kinder schon in frühem Alter alleine zur Schule gehen könnten.

Roggenbrot und Sauna

Hinzu komme noch ein generell nordisches Phänomen, das man auch in manchen anderen europäischen Staaten sehe, sagt Stadius: "Im globalen Vergleich mit Gesellschaften wie den USA, Japan und anderen haben die Menschen hier viel Freizeit und Urlaub. Du bist nicht in gleicher Weise mit der Arbeit verheiratet." Der Wohlfahrtsstaat behandle einen als Bereicherung, die gewährte Elternzeit sei großzügig.

Und dann wäre da schließlich noch die Sache mit dem Schwitzen: "Wenn ich im Ausland bin, vermisse ich zwei Dinge, die wirklich Finnisch sind: das finnische Roggenbrot und die Sauna", sagt der Professor. Die Saunakultur sei tief verwurzelt in der finnischen Gesellschaft und zudem gut gegen Stress. "Für mich ist die Sauna ein Glücksort."

Finnen und Ukrainer als Nation näher zusammengerückt

Und Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine? Durch den Entschluss, in Folge des Krieges NATO-Mitglied werden zu wollen, sei Finnland als Nation näher zusammengerückt, sagt Stadius. "Ich würde das nicht als Zeichen von Glück bezeichnen, aber in gewisser Weise war das auch eine vereinende Erfahrung."

Der russische Einmarsch hat die Ukraine zu einer Nation geschmiedet.
Oxford-Professor Jan-Emmanuel De Neve

Ein ähnliches Phänomen haben die Glücksforscher in ihrem Bericht auch in der Ukraine ausgemacht: "Der russische Einmarsch hat die Ukraine zu einer Nation geschmiedet", erklärte der Oxford-Professor Jan-Emmanuel De Neve. Das Wohlbefinden der Ukrainerinnen und Ukrainer sei 2022 zwar stark gesunken, trotz des Ausmaßes des Leids und der Schäden aber weniger stark als nach der russischen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Jahr 2014.

Nach Erkenntnissen der Experten liegt das unter anderem an einem nun viel stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl, Fürsorge füreinander und Vertrauen in die Führung um Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Ukraine kommt somit nun auf Rang 92, Russland auf Platz 70. "Kriege sind Krisen, die die Lebensbewertung erhöhen können, wenn sich die Menschen in einer gemeinsamen Sache vereint fühlen und Vertrauen in ihre Führung haben", schrieben die Experten. "Diese Faktoren waren 2022 in der Ukraine sichtbarer als nach 2014."

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