Kultur Österreich

Popduo Mynth gibt sich "auf das Purste reduziert"

Mario und Giovanna Fartacek wollten für "Four" Muster brechen
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Sie haben sich Zeit gelassen, und dann ging trotzdem alles ganz schnell: Das heimische Popduo Mynth, bestehend aus den Zwillingsgeschwistern Giovanna und Mario Fartacek, hat sich für seinen vierten Longplayer auf Soundsuche begeben. "Zunächst wussten wir nicht, was wirklich Sinn macht als nächster musikalischer Schritt", so Mario. Erst der Song "Wandering" habe dann die Richtung vorgegeben. Herausgekommen ist letztlich "Four".

Untätig waren die Geschwister seit dem Vorgänger "Shades I Mynth" (2020) keineswegs: Vereinzelte Liveauftritte während der Coronazeit, Songwritingtätigkeiten für andere Künstler, Solo- und Bandprojekte sowie die Kuratierung des Festivals Ten Volt in Hallein stehen auf der Habenseite. "All das hat viel Raum eingenommen", erinnerte sich Giovanna im APA-Gespräch. Als dann feststand, dass man sich einer neuen Mynth-Platte widmen will, habe man den Zeitrahmen "relativ eng gesteckt. Aber das haben wir auch gebraucht." Die sportliche Aufgabe, in vier Wochen eine Platte zu schreiben, hat letztlich geklappt. "Es ist dann wirklich aus uns rausgesprudelt", sagte die Sängerin.

Die kreative Quelle war dabei nicht nur ergiebig, sondern auch äußerst gehaltvoll, ist das pragmatisch betitelte Album doch vielleicht das bisher beste aus dem Hause Fartacek: Lebte das Debüt "Plaat II" (2016) noch von den elektronischen Klangflächen, ist das Duo mittlerweile bei einem deutlich handgemachteren Sound angekommen, der auf das Wesentliche fokussiert ist, dabei aber keineswegs die Vorliebe für kleine, schräge Einfälle negiert. "Es war eine bewusste Entscheidung, die Schleifen diesmal wegzulassen", nickte Mario. "Natürlich hätten wir Schicht um Schicht darüber legen können, aber wir wollten ein Album, das auf das Purste reduziert ist."

Im Vordergrund steht somit ganz der Song und dessen emotionale Schlagkraft, wie das bereits erwähnte "Wandering" oder die melancholische Großtat "Meander" deutlich machen. "Uns hat immer schon fasziniert, welche Magie Demos haben. Geht man dann in die Produktion, verliert es oft in dieser Transformation etwas", sinnierte Mario. "Natürlich klingt es dann vielleicht besser, aber es hat nicht diesen emotionalen Gehalt, wo vielleicht im ersten Vocaltake die pure Essenz liegt." Giovanna brachte den Reiz dieser Herangehens- und Schreibweise auf den Punkt: "Man kann die Songs komplett ausziehen, und sie funktionieren trotzdem."

Zehren konnten die Geschwister auch von der über die Jahre antrainierten Routine, und das durchwegs im positiven Sinn. "Wir haben viel gemeinsam für andere Acts geschrieben. Da haben wir auch gemerkt, wie gut wir einfach funktionieren - teils sogar besser, weil man nicht dem eigenen Stolz entsprechen oder dem eigenen roten Faden folgen muss", erklärte Giovanna. "Wir haben also viel geübt, noch schneller auf den Punkt zu kommen." Gleichzeitig sei ihnen bei der Arbeit an "Four" wichtig gewesen, "Muster zu brechen" - schon alleine durch die Fokussierung auf Gitarre und Klavier als initiale Werkzeuge beim Songwriting.

Inhaltlich hat sich Giovanna mit unterschiedlichsten Themen auseinandergesetzt. "Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle", nickte sie. "Darum ist dieser Bruch mit dem Song 'La Pelosa', in dem es um sommerliche Leichtigkeit geht, auch ganz wichtig. Im Kontrast dazu gibt es 'Meander' über das Kurvenspiel des Lebens. Wie komme ich an meine Ziele? Meistens eben nicht auf direktem Weg, sondern auf Umwegen." In "One Day" verhandle sie ihre kindliche Angst vor dem Tod. "Und das ist eigentlich nicht nur kindlich, mich beschäftigt das Thema immer noch extrem. Aber erst jetzt habe ich einen Song darüber schreiben können, obwohl ich schon so lange Musik mache. Es sind viele erste Male auf diesem Album."

Am 6. April beginnt im Wiener Fluc die Tour zur Platte. Dass die Ticketnachfrage anders als noch vor Corona ist, spüren auch die Geschwister. "Es ist nicht leicht", meinte Mario. "Vielleicht muss man durchtauchen, und die Situation beruhigt sich in den nächsten ein, zwei Jahren." Es werde aber definitiv noch dauern, stimmte Giovanna zu. "Die einzig gute Entwicklung in dieser Misere ist, dass es alle Acts trifft und eine Offenheit herrscht, darüber zu sprechen. Früher sagte man bei Absagen dann 'aus produktionstechnischen Gründen', jetzt sagt man tatsächlich, dass zu wenig Karten verkauft wurden. Die Solidarität gibt es in der Szene, wir sitzen ja alle im selben Boot. Das macht es auch leichter, damit umzugehen. Den Rest muss man auf sich zukommen lassen."

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

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