Deutsches Eck stark betroffen

Streik in Deutschland sorgte für Zug- und Flugausfälle: Das Chaos in Tirol blieb aus

Zwischen Wörgl und Salzburg wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
© Jasmine Hrdina

Züge von und nach Deutschland wurden am Montag kurzgeführt oder fielen aus. Laut ÖBB Tirol funktionierten die Abläufe reibungslos.

Berlin, Innsbruck, Wörgl – Trotz Warnstreiks in Deutschland ist das geschäftige Frühverkehrstreiben am Innsbrucker Hauptbahnhof am Montag fast wie gewohnt über die Bühne gegangen. Laut ÖBB Tirol funktionierten die Abläufe reibungslos.

Empfangen wurden die zahlreichen Fahrgäste aber bereits am Bahnhofseingang mit gelb unterlegten Reiseinformationen auf den Anzeigetafeln. Diese besagten, dass der Zugverkehr von, nach und über Deutschland eingestellt ist. Das betraf in Innsbruck gegen 8 Uhr vor allem den Railjet zum Flughafen Wien.

Betroffen waren am Montag alle Zugverbindungen über das Deutsche Eck. Ein Pendelverkehr im Zweistundentakt wurde eingerichtet. Fahrten konnten bis zu drei Stunden länger dauern. Die ÖBB ersuchten alle betroffenen Reisenden, nicht notwendige Fahrten auf diesen Strecken zu verschieben oder alternative Reisemöglichkeiten zu wählen.

Der Überblick zu den Ausfällen in Tirol:

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💡 Ausfälle, Storno und Co.

Gut zu wissen: So wirkt sich der deutsche Zug- und Flugstreik auf Tirol aus

Die Abläufe funktionierten aber reibungslos und es war "relativ ruhig", sagte der ÖBB-Pressesprecher für Tirol und Vorarlberg, Christoph Gasser-Mair. "Wir fahren alle zwei Stunden mit Pendelzügen via Zell am See oder Bus von Salzburg nach Wörgl und jede Stunde mit Bussen von Wörgl oder Kufstein über das Deutsche Eck", erklärte er am Vormittag.

Die damit verbunden Umstiege würden "gut funktionieren". Die Fahrgäste mussten sich aber definitiv auf "längere Reisezeiten" einstellen - bis zu drei Stunden.

Service-Mitarbeiter helfen den Reisenden am Bahnhof Wörgl.
© Jasmine Hrdina

In Wörgl dockten am Montag viele Schienenersatzverkehrsbusse an. Entsprechend kam in Wellen der Andrang. Sechs Koordinatoren mit gelben Westen empfingen die Reisenden und geleiteten sie zu Busen bzw. halfen mit Anschlusszügen weiter. Die Leute seien gut informiert, war auch hier der Eindruck einer Security-Mitarbeiterin.

Wenig beeinträchtigt von den Warnstreiks war indes der Innsbrucker Flughafen. Drei "Rotationen" nach Frankfurt, also Abflüge und Ankünfte, waren am Montag betroffen, sagte Flughafen-Sprecher Patrick Dierich.

Beeinträchtigungen im Zug- und Flugverkehr

In ganz Deutschland stehen seit Mitternacht Züge, Busse und Flugzeuge still. Mit den Warnstreiks wollen die deutsche Gewerkschaft Verdi und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) den Druck bei den laufenden Lohnverhandlungen erhöhen.

Auf der Schiene wurde der Fernverkehr am Montag komplett und der Regionalverkehr größtenteils eingestellt. Bestreikt wurden nahezu sämtliche deutsche Flughäfen, nicht aber der Berliner Airport. Wasserstraßen und Häfen sowie die Autobahngesellschaft sind ebenfalls betroffen. Der Münchner Flughafen wurde bereits am Sonntag bestreikt, alle zwölf Flüge zwischen München und Wien fielen aus.

Infos zu den einzelnen Streiks

🚆 BAHN: Die EVG bestreikt den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr. Der Fernverkehr wurde eingestellt, der Regionalverkehr größtenteils zumindest seit Streikbeginn. Ob am Nachmittag im Regionalverkehr einzelne Linien aufgenommen werden, hängt laut Deutscher Bahn vom Streikverlauf ab. Auswirkungen dürften auch am Dienstag zu spüren sein. Auch nicht bestreikte Privatbahnen waren betroffen, weil Beschäftigte in den Stellwerken der DB Netz streikten.

In Österreich werden Züge von und nach Deutschland kurzgeführt oder fallen aus. Betroffen sind zudem alle Zugverbindungen über das Deutsche Eck. Ein Pendelverkehr im Zweistundentakt wird eingerichtet. Fahrten können bis zu drei Stunden länger dauern. Die ÖBB ersuchen alle betroffenen Reisenden, nicht notwendige Fahrten auf diesen Strecken zu verschieben oder alternative Reisemöglichkeiten zu wählen.

✈️ AIRPORTS: Die Flughäfen werden von Verdi weitgehend bestreikt. 380.000 Geschäfts- und Privatreisende müssen laut Flughafenverband ADV am Boden bleiben. Betroffen ist auch der größte Airport in Frankfurt sowie der Flughafen München, der bereits am Sonntag den Betrieb eingestellt hat. Der Hauptstadtflughafen BER war nicht in den Warnstreik einbezogen. Da aber fast alle anderen deutschen Flughäfen bestreikt werden, waren dort alle innerdeutschen Flüge gestrichen. Die Flughäfen rechnen mit einer stärkeren Auslastung am Dienstag.

Auch viele Flugverbindungen mit dem Nachbarland fallen aus. Nach Auskunft des Wiener Flughafens werden am Montag alle Flugverbindungen zwischen Wien und München, Frankfurt, Nürnberg und Stuttgart gestrichen. Weiters gibt es auch einzelne Ausfälle bei Flugverbindungen von und nach Düsseldorf, Hamburg und Köln. Gestrichen wurden auch die Flüge zwischen Salzburg und Frankfurt sowie Köln, ebenso alle drei Flugverbindungen zwischen Innsbruck und Frankfurt und jeweils zwei Hin- und Rückflüge zwischen Linz und Frankfurt. Laut ORF-ZiB herrscht heute am Salzburger Flughafen mehr Verkehr, da Chartermaschinen aus München zum Teil dorthin umgeleitet werden.

🚍 NAHVERKEHR: Erneut wird der Nahverkehr in jenen deutschen Bundesländern bestreikt, die direkt an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst angebunden sind. Das sind Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Gestreikt wird zudem in Bayern, wo ein Tarifvertrag Nahverkehr verhandelt wird. Aus mehreren Ländern hieß es, Schülerinnen und Schüler dürften zuhause bleiben, wenn sie nicht zur Schule kommen können.

Auswirkungen auch am Dienstag zu spüren

Auch am Dienstag dürften die Auswirkungen des Warnstreiks noch zu spüren sein. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn etwa werde es dauern, bis die ICE- und IC-Züge wieder dort sind, wo sie gebraucht werden. Es sei daher vor allem zu Beginn des Tages weiter mit Zugausfällen zu rechnen, teilte die Bahn mit. Auch an den Flughäfen sind Auswirkungen noch am Dienstag möglich.

Ob noch weitere Streiktage bevorstehen, ist unklar. Der heutige Ausstand ist eine länger geplante, aber zunächst einmalige Aktion der beteiligten Gewerkschaften. Verdi will mit dem Warnstreik den Druck auf die Kommunen und den Bund erhöhen. Wenn sich beide Seiten in Potsdam einigen, könnte die EVG mögliche weitere Bahnstreiks nicht mehr im Schulterschluss mit Verdi machen. Angesichts der konfrontativen Situation sind weitere Ausstände auch im öffentlichen Dienst aber nicht vom Tisch.

Der 24-stündige Warnstreik führt auch in Österreich zu massiven Beeinträchtigungen im Bahn- und Flugverkehr.
© APA/FRANZ NEUMAYR

Die Eisenbahnergewerkschaft EVG hat den Warnstreik jedenfalls verteidigt und vor neuen Ausfällen in den Osterferien gewarnt. "Es hängt davon, ob der Bahnvorstand bald ein ordentliches Angebot vorlegt," sagte EVG-Vorsitzende Martin Burkert der Zeitung "Augsburger Allgemeinen" (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Die Gewerkschaft strebe aber Warnstreiks in der Urlaubszeit über Ostern nicht an. Auch Verdi-Chef Frank Werneke verteidigte den Ausstand, während der Chef des deutschen Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, vor einer weiteren Arbeitskampf-Eskalation warnte.

Die EVG verhandelt für rund 230.000 Beschäftigte bei 50 Bahn- und Busunternehmen, für die sie zwölf Prozent mehr Lohn, mindestens aber 650 Euro im Monat mehr will. Verdi verhandelt für die etwa 2,5 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen, unter anderem auch für die Beschäftigten des Nahverkehrs und an Flughäfen. Die Gewerkschaft fordert 10,5 Prozent mehr, mindestens aber 500 Euro monatlich.

Unter angespannten Vorzeichen treffen heute in Potsdam Verdi und der Beamtenbund dbb erneut auf die Kommunen und den Bund. Hier beginnt die dritte Verhandlungsrunde für 2,5 Millionen Beschäftigte. Die Verhandler sind noch weit voneinander entfernt, eine Einigung in den folgenden Tagen ist aber nicht ausgeschlossen. Bei der EVG stehen weitere Verhandlungen mit den verschiedenen Bahnunternehmen ab Mitte der Woche an. Mit der Deutschen Bahn soll erst nach Ostern weiterverhandelt werden. (TT.com, jazz, dpa)

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