Mehr Flächen als Nachfrage

Handel bremst Expansion: Mehr Leerstände drohen

Schuhhändler reduzieren weiter ihre Geschäftsflächen. Die Gründe liegen im Online-Handel und im veränderten Einkaufsverhalten.
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Schlechte Aussichten für Vermieter: Es gibt heuer mehr Flächen als Nachfrage. Schuh- und Bekleidungshandel reduzieren weiter Standorte.

Wien – Das Marktforschungsinstitut RegioData Research hat erneut das Expansionsverhalten von Einzelhändlern, Gastronomen und handelsnahen Dienstleistern untersucht. Für die Vermieter sind die Ergebnisse ernüchternd. Demnach werden heuer österreichweit gerade einmal etwas mehr als 750 echte Neuvermietungen erwartet. Vor fünf Jahren war es noch etwa doppelt und vor zehn Jahren gar vier Mal so viel. Viele Unternehmen planen wohl den einen oder anderen Standort zu eröffnen, erklärten die RegioData-Forscher. Die Zeit der starken Flächenexpansion sei jedoch für fast alle Unternehmen vorbei.

Die Gründe lägen nicht direkt in der Corona-Pandemie, sondern im Wesentlichen im Online-Handel. Eine weitere Rolle spielt das veränderte Kundenverhalten – es werde bewusster und weniger eingekauft. Die Folge: Das Angebot an vermietbaren Flächen sei höher als die Nachfrage, was sich auch an den allmählich steigenden Leerstandsraten in Innenstädten, aber auch Einkaufs- und Fachmarktzentren zeige. Die durch Schließungen oder Insolvenz frei werdenden Standorte sind laut der Erhebung aktuell sogar größer als die nachgefragten Flächen.

Doch es gibt nach wie vor Branchen, die sehr stark ausbauen. Besonders Non-Food-Diskonter oder der Zoohandel seien derzeit stark expansiv unterwegs. Neue Standorte entstehen zudem bei Bäckereien. Der Lebensmittelhandel habe sein über Jahre hinweg hohes Expansionstempo zwar nicht gestoppt, aber deutlich eingebremst, hieß es.

Im Bekleidungs- und Schuhhandel hingegen werden weiterhin eher Flächen oder Standorte reduziert als erweitert. Zwar gibt es immer wieder neue Markteintritte, doch diese neuen Unternehmen begnügen sich meist mit höchstens einer Handvoll Standorte. Bei den noch vor wenigen Jahren höchst expansionsfreudigen zahlreichen Fitnesscenterkonzepten scheinen sich auch nur wenige behaupten zu können. In Summe sind auch hier für heuer mehr Schließungen als Neueröffnungen zu erwarten, erklärte RegioData.

Belebte Innenstädte und Einkaufszentren sind nach wie vor das beliebteste Expansionsziel. Weiter stark aktiv ist die Systemgastronomie. Aber auch ganz neue Vertriebsformen suchen vereinzelt Standorte: Autohersteller, E-Gaming-Anbieter, reine Online-Händler oder Dienstleister wie etwa Energieversorgungsanbieter. Kleinere Standorte mit durchschnittlich 200 m² haben mehr Chancen, vermietet zu werden. (TT)

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