Hohe Klimabelastung

Privatjet-Flüge in EU massiv angestiegen: Ruf nach Verbot der „Luxusemissionen“

Die Privatjet-Flüge in Europa im Jahr 2022 verursachten 3,4 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von 555.000 EU-Einwohnern. (Symbolfoto)
© pixabay

Der im Vorjahr durch Privatjets verursachte CO2-Ausstoß in der EU entspricht den jährlichen Emissionen Lissabons. Die von Österreich ausgehenden Privatjetflüge stiegen zum Jahr davor um 89 Prozent.

Wien – 572.806 Flüge mit Privatjets sind 2022 in Europa durchgeführt worden. Das waren 64 Prozent mehr als die 350.078 Reisen im Jahr davor, als bereits wieder das Niveau von 2019 vor der Pandemie übertroffen wurde. Die Privatjet-Flüge in Europa im Jahr 2022 verursachten 3,4 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von 555.000 EU-Einwohnern, also der Bevölkerung großer Städte wie Lissabon, rechnete Greenpeace in der Analyse zu diesen „Luxusemissionen" vor.

Privatjets sind eine ungerechte Belastung für die Gesellschaft und müssen EU-weit verboten werden.
Jasmin Duregger, Greenpeace

Die Corona-Flaute mit 118.756 Privatjet-Flügen in Europa (EU27, Vereinigtes Königreich, Norwegen und Schweiz) im Jahr 2020 hielt also nicht lange an. Ganz im Gegenteil, so sind die Zahlen in den vergangenen drei Jahren „um atemberaubende 382 Prozent gestiegen", zeigt die am Donnerstag veröffentlichte Analyse des Forschungsinstituts CE Delft im Auftrag von Greenpeace.

„Millionen von Menschen auf der ganzen Welt sehen sich mit den Auswirkungen der Klimakrise und Wetterextremen konfrontiert, während eine winzige Minderheit nur zu ihrem eigenen Vergnügen Kerosin verbrennt, als gäbe es kein Morgen. Privatjets sind eine ungerechte Belastung für die Gesellschaft und müssen EU-weit verboten werden", forderte Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace Österreich.

Österreich auf Platz sieben

Die Länder mit den meisten Privatjet-Flügen in Europa im Jahr 2022 waren Großbritannien, Frankreich und Deutschland, gefolgt von Italien, Spanien, der Schweiz und Österreich auf Platz sieben. Die von Österreich ausgehenden Privatjetflüge stiegen zum Jahr davor um 89 Prozent und verursachten dabei 54.400 Tonnen CO2 - das entspricht dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 36.251 Pkw pro Jahr. Die meistgenutzten Routen für den Privatflugverkehr ab Österreich waren im Vorjahr Wien-Nizza, Wien-London und Wien-Zürich.

Zu den kürzesten geflogenen Strecken aus Österreich zählt Wien-Bratislava mit einer Entfernung von 48 Kilometern und 82 Flügen im Vorjahr. „Hier ist der Gipfel der Absurdität erreicht: Bratislava kann innerhalb kürzester Zeit per Zug erreicht werden. Diese Strecke zu fliegen, tritt jegliche Klimaschutzbemühungen mit Füßen", betonte Duregger.

2022 waren 55 Prozent aller Privatjet-Flüge in Europa kurze und sehr kurze Flüge von weniger als 750 Kilometern. 15 Prozent aller Privatjet-Flüge waren kürzer als 250 Kilometer, und 24 Prozent lagen zwischen 250 und 500 Kilometer. Die meisten dieser Entfernungen hätten leicht durch Zugreisen oder Fähren ersetzt werden können, erläuterte Greenpeace. Die drei beliebtesten europäischen Flughäfen für Privatjets waren im Vorjahr Nizza/Côte d'Azur, Paris und Genf mit 34.710, 33.496 bzw. 28.630 Flügen.

📽️ Video | Verbot für Privatjet-Flüge gefordert

„Klimafreundliche Verkehrsmittel und -netze müssen umfassend und sicher ausgebaut und gefördert werden", forderte Greenpeace. Klimaschädliche Verkehrsformen, wie der Flugverkehr, müssen fair besteuert werden. Besonders bei klimaschädlichen, überflüssigen Flugstrecken, wie Privatjetflügen seien „auch Verbote erforderlich". Privatjets verursachen demnach Emissionen von durchschnittlich 1,3 Kilogramm CO2 pro Person und Kilometer – das Zehnfache eines normalen Fluges und 50 Mal mehr als eine durchschnittliche Zugfahrt in Europa.

Privatflüge sind nicht nur eine der ungerechtesten, sondern auch die klimaschädlichste Form des Verkehrs.
SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr

„Privatflüge sind nicht nur eine der ungerechtesten, sondern auch die klimaschädlichste Form des Verkehrs", kritisierte SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr in einer Aussendung. Mit einer hohen Privatjet-Abgabe will die Abgeordnete nun der explodierenden Zahl an Privatflügen einen Riegel vorschieben. Sie forderte, dass die Abgabe so hoch bemessen sein muss, dass auch Millionärinnen und Millionäre sowie Milliardärinnen und Milliardäre „es sich zehn Mal überlegen, ob sie wirklich abheben wollen". Herr will dazu einen Antrag im Parlament einbringen.

Grüne fordern Verbote und Reichensteuern

Thomas Waitz, EU-Abgeordneter der Grünen und Ko-Vorsitzender der Grünen, forderte, dass Kurzstreckenflüge, egal ob privat oder kommerziell, die durch öffentliche Verkehrsmittel ersetzt werden können, in Zukunft verboten werden müssen. „Der Bericht zeigt wieder einmal, dass die Klimakrise auch eine soziale Krise ist, denn Superreiche verursachen durch ihren überbordenden Konsum viel mehr CO2 als alle anderen zusammen. Hier muss angesetzt werden: Soziale Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit wird es nur durch konsequente Besteuerung von Superreichen und ihrem Vermögen geben", sagte Waitz.

CO2 ist mit Abstand das wichtigste vom Menschen erzeugte Treibhausgas und so Hauptursache der Klimakrise. Noch nie in der Geschichte war die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre so hoch. Im Mittelpunkt des 2015 beschlossenen historischen UNO-Klimaschutz-Vertrags von Paris steht das Ziel, die durch Treibhausgase verursachte Erderhitzung auf klar unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Die Bemühungen sollten zudem dahin gehend verstärkt werden, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Experten und Klimaschützer sehen das Erreichen der Pariser Klimaziele aber selbst bei optimistischen Szenarien als kaum mehr erreichbar. (TT.com, APA)

🔗 Mehr zum Thema:

undefined

Synthese-Bericht veröffentlicht

Drastische Prognose: Weltklimarat IPCC warnt vor Eskalation der Klimakrise

undefined

🌍 Greenpeace schlägt Alarm

Hunderte Jets im Anflug auf Weltwirtschaftsforum in Davos: Ruf nach Verbot

Verwandte Themen