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„Sisi & Ich": Ein Film gegen die Sisi-Müdigkeit

Sandra Hüller als Hofdame Irma (l.) ist fasziniert von ihrer Kaiserin (Susanne Wolff).
© Pandafilm

Frauke Finsterwalder erzählt in „Sisi & Ich“ witzig und absurd von der Kaiserin und ihrer Hofdame.

Innsbruck – Egal ob Sissi oder Sisi: Das Kino lässt die österreichische Kaiserin nicht in Ruhe. Nun kommt mit „Sisi & Ich“ von Frauke Finsterwalder schon wieder ein Sisi-Film ins Kino. Wobei: Protagonistin ist diesmal nicht die bayrischstämmige Adelige, sondern ihre Kammerzofe Irma. Die ist zwar ebenfalls leicht blaublütig, aber im Machtverhältnis zur legendären Kaiserin doch eher der Underdog. Diese Perspektive verhindert dann doch, das sich allzu viel Sisi-Müdigkeit einstellt.

Tragik und Mitleid mit der Lady Di der Jahrhundertwende wurden zuletzt ordentlich zelebriert, in mehreren Serien und in Marie Kreutzers feministischer Arthouse-Ehrenrettung „Corsage“ (die im Endspurt zur möglichen Oscar-Nominierung in Vorwürfe rund um zwei gecastete Männer verstrickt war).

Bei Frauke Finsterwalder geht es lockerer zu. Das passt zur Regisseurin, die sich mit ihrem vielgelobten Debüt „Finsterworld“ 2013 auf der deutschen Filmlandkarte einen Namen machte. Nach zehn Jahren Pause schickt sie nun Gräfin Irma auf ein absurdes Abenteuer in der Entourage der Kaiserin. Die hat viel weibliches Selbstbewusstsein, reichlich adelige Allüren und folgt ihren Launen – auch wenn es ihrem bärtigen Ehemann Franzl nicht passt.

Sisi & Ich

Aktuell im Kino.

So beginnt der Film weit weg von der Schlangengrube des Wiener Hofes auf einer griechischen Insel. Irma kommt dort nach ihrem Engagement durch ihre Vorgängerin (Johanna Wokalek) an und muss sofort einen Ausdauertest bestehen, zur Erheiterung der Kaiserin.

Fast wähnt man sich in einer antiken Komödie oder einem Text von Sappho. Denn Elisabeth fordert von ihrer kleinen Gefolgschaft ständiges Amüsement gegen die privilegierte Langeweile.

Kulinarisch ist die Kaiserin eher spartanisch unterwegs, ein fragwürdiger, teilweise historisch belegter Diät-Wahn, den sie im Film auch Irma aufzwingt. Das tut der Faszination der Dienerin für ihre Herrin aber keinen Abbruch. Irma bespaßt pflichtgemäß die dauerurlaubende Sisi, die ihr Exil in Korfu zu einem idyllischen Lesbos macht. Abwechslung in den All-inclusive-Aufenthalt in der sorglos-kaiserlichen Sonne bringt nur ein Besuch ihres dekadenten Schwagers Erzherzog Viktor (großartig wienerisch: Georg Friedrich). Etwas grauer und ernsthafter werden der Film und die Beziehung der beiden Figuren erst, als sie der Ruf zurück nach Wien ereilt.

Die etwas orientierungslose Geschichte funktioniert vor allem durch das Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen: Sandra Hüller ist wunderbar unsicher und fasziniert, während Susanne Wolff das arrogante kaiserliche Charisma überzeugend spielt. Frauke Finsterwalder trifft einen absurd-witzigen Komödienton. Unterhaltsam.

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