Ozan Ceyhun im Interview

Türkischer Botschafter in Wien: „Erdogan kann mit Putin und mit Selenskyj reden“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (l.) bleibt mit Russlands Präsident Wladimir Putin weiter im Gespräch.
© TT/Böhm

Der türkische Botschafter in Österreich über die Erdbebenkatastrophe, den Kampf gegen die PKK und die Vermittlerrolle im Ukraine-Krieg.

Die Türkei und Syrien wurden im Februar von einer verheerenden Erdbebenserie heimgesucht. Allein in der Türkei sind über 50.000 Tote zu beklagen. Wie kann Ihr Land die Folgen der Katastrophe bewältigen?

Der türkische Botschafter in Österreich, Ozan Ceyhun, beim Interview: „Dialog mit Österreich hat sich kontinuierlich verbessert.“
© AFP/Kose

Ozan Ceyhun: Die Schäden haben dramatische Ausmaße. Es gibt Zehntausende Tote, rund zwei Millionen Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Rund 1,5 Millionen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, wurden vorübergehend in 360.000 Zelten untergebracht. Rund 35.000 Menschen leben in Containern. Über drei Millionen Menschen mussten das Erdbebengebiet verlassen, sie wohnen unter anderem in Hotels im Süden des Landes, in Ferienwohnungen oder bei Verwandten.

Österreich hat uns bei der Bergung von Verschütteten und der humanitären Hilfe vor Ort sehr geholfen. Das Bundesheer war mit 80 Einsatzkräften vor Ort. Auch 32 Personen einer Spezialeinheit aus Vorarlberg halfen in Zusammenarbeit mit dem Samariterbund im Katastrophengebiet. Die Einsatzkräfte aus Österreich konnten 14 Verschüttete bergen. Österreichs Regierung hat uns mit vier Millionen Euro unterstützt, zehn Millionen Euro kamen an Spenden zusammen, 800 Tonnen an Sachhilfen wurden in das Erdbebengebiet geschickt. Rettungsteams aus 90 Ländern, auch aus Griechenland und Armenien, waren im Einsatz.