Russische Angriffe am Feiertag

Elf Jahre altes Mädchen und ihr Vater bei Raketenangriff am Ostersonntag getötet

Der Chef des Präsidentenbüros in Kiew, Andrij Jermak, veröffentlichte in seinem Kanal im Nachrichtendienst Telegram ein Foto des zertrümmerten Hauses.
© AFP/Handout

Der Mann und seine Tochter kamen in ihrem Haus in der Stadt Saporischschja durch einen russischen Angriff ums Leben. In der Ukraine begehen immer mehr Christen Ostern nach westlichem Ritus und nicht nach dem alten julianischen Kalender der russisch-orthodoxen Kirche.

Kiew – Bei neuen russischen Angriffen in der Ukraine sind in der Stadt Saporischschja laut Behörden mindestens zwei Menschen gestorben. Ein Mann und seine elf Jahre alte Tochter seien bei einem Raketeneinschlag in einem Privathaus getötet worden, teilten die Behörden in der südukrainischen Stadt am Sonntag mit.

Der Chef des Präsidentenbüros in Kiew, Andrij Jermak, veröffentlichte in seinem Kanal im Nachrichtendienst Telegram ein Foto des zertrümmerten Hauses. Er nannte die Angreifer "gemeine Tiere". Russland hat die Region Saporischschja annektiert, kontrolliert aber die Gebietshauptstadt nicht.

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Russischen Angaben zufolge wurde in der Nähe der Stadt Saporischschja ein Tanklager durch russische Truppen zerstört. Dort hätten 70.000 Liter Treibstoff gelagert, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. In der Region Saporischschja sowie Donezk seien zudem Depots der ukrainischen Armee zerstört worden. Dort seien Raketen, Munition und andere Artilleriegeschosse aufbewahrt worden.

Immer mehr Ukrainer mit westlichem Kirchenkalender

Jermak und andere Angehörige der ukrainischen Führung wünschten den Ukrainern, die – wie die Christen im Westen – die Auferstehung Jesu feierten, frohe Ostern. Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, meinte, dass der Feiertag auch den Sieg des Lebens über den Tod symbolisiere. Saluschnyj dankte den westlichen Verbündeten, die die Ukraine mit Waffen und Munition unterstützen, "die uns helfen, den Sieg und den Triumph der Gerechtigkeit mit jedem Tag näher zu bringen".

In der Ukraine begehen immer mehr Christen ihre Feiertage nun nach westlichem Ritus und nicht nach dem alten julianischen Kalender der russisch-orthodoxen Kirche, die Ostern erst in einer Woche feiert. Traditionell begingen die orthodoxen Christen in der Ukraine die kirchlichen Feiertage genauso wie im benachbarten Russland. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine vor mehr als einem Jahr wurde die öffentliche Diskussion stärker, sich auch über den Wechsel des Kirchenkalenders von Russland abzugrenzen.

Hilf dem geliebten ukrainischen Volk auf dem Weg zum Frieden und ergieße dein österliches Licht über das russische Volk.
Papst Franziskus

Bei dem traditionellen Ostersegen rief Papst Franziskus zu Frieden auf. "Hilf dem geliebten ukrainischen Volk auf dem Weg zum Frieden und ergieße dein österliches Licht über das russische Volk", sagte er auf dem Petersplatz im Rom vor dem Segen "Urbi et Orbi". Er forderte eine aktivere Rolle der internationalen Gemeinschaft bei den Bemühungen zur Beendigung nicht nur des Krieges in der Ukraine, sondern aller Konflikte und Blutvergießen in der Welt. Zudem bat er um "Trost für die Verwundeten und jene, die durch den Krieg geliebte Menschen verloren haben, und dass die Gefangenen sicher und gesund zu ihren Familien zurückkehren können."

Selenskyj könnte im Mai nach Deutschland kommen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seit dem russischen Angriff auf sein Land bereits einige seiner wichtigsten Bündnispartner besucht. Im Mai könnte er nun auch nach Deutschland kommen – zur Verleihung des Karlspreises an ihn und das ukrainische Volk im Krönungssaal des Aachener Rathauses am 14. Mai.

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Die Veranstalter bereiten sich auf ein solches Szenario jedenfalls vor, wie die Stadt Aachen bereits kurz vor Ostern mitteilte. Eine persönliche Teilnahme hänge aber "stark von der dann vorliegenden Kriegslage und den entsprechenden Sicherheitskonzeptionen ab". Falls Selenskyj nicht persönlich teilnehmen kann, soll er per Video zugeschaltet werden. Auch für diese Variante laufen die Planungen.

US-Justizministerium startet Untersuchung wegen Geheimnisverrat

Das US-Justizministerium leitete am Wochenende eine Untersuchung zu im Internet verbreiteten Geheimdokumenten ein. "Wir haben uns mit dem Verteidigungsministerium in dieser Sache ausgetauscht und eine Untersuchung begonnen", sagte ein Sprecher des Justizministeriums in Washington am Samstagabend (Ortszeit). Das Pentagon hatte bereits am Freitag erklärt, das Durchsickern der Dokumente zu überprüfen und das Justizministerium offiziell von der Angelegenheit in Kenntnis gesetzt zu haben.

Die Dokumente sollen der Zeitung zufolge Details über Waffenlieferungen, Bataillonsstärken und andere sensible Informationen enthalten. Ein Dokument fasse die Ausbildungspläne von zwölf ukrainischen Kampfbrigaden zusammen. Die Dokumente wurden laut der "New York Times" über pro-russische Kanäle verbreitet.

US-Regierungsmitarbeiter sagten der "Washington Post", dass einige der Unterlagen offenbar manipuliert worden seien. Viele der Dokumente stünden aber im Einklang mit den Berichten des US-Auslandsgeheimdienstes CIA zur internationalen Lage, die für Führungsebenen des Weißen Hauses, des Pentagons sowie Außenministeriums bestimmt seien. (APA/dpa)

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