Chronik Österreich

Wien wächst - Klima im Fokus bei kommenden Stadt-Konzept

Noch heuer könnte Wien aufgrund des Krieges in der Ukraine die Zwei-Millionen-Einwohner-Marke knacken. 2024 soll dann bereits der neue Stadtentwicklungsplan dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt werden. "Wir werden uns im neuen Konzept noch mehr als bisher mit innerstädtischen Maßnahmen zur Attraktivierung des öffentlichen Raums als Reaktion auf die Klima-Krise beschäftigen", sagte der Planungsdirektor der Stadt Wien, Thomas Madreiter, gegenüber der Austria Presse Agentur.

Während Wien laut jüngsten Zahlen aktuell bei 1.982.442 Einwohnern hält (Stand 1. Jänner 2023) und damit auf die zwei Millionen Einwohner zusteuert, tüftelt die Stadt gerade das kommende Planungskonzept der nächsten zehn Jahre aus. Madreiter will darin schon jetzt die Weichen für ein klimaneutrales Wien stellen. "Wir werden unter anderem die städtische Begrünung massiv forcieren, aber auch den Ausbau von sanfter Mobilität wie Radwegen", sagte der studierte Raumplaner der APA.

Eine zweite Hauptrolle soll laut Madreiter eine "ausgewogene Mischung" zwischen kleinteiligem Wohnraum und größeren Wohnprojekten spielen. "Die Erfahrung zeigt uns, dass 50 Prozent der Stadtentwicklungsvorhaben (meistens Wohnbau) in größeren Stadtentwicklungsgebieten stattfinden (aktuell etwa Seestadt, Nordbahnhof, Hauptbahnhof) und der Rest in Form kleinteiliger Projekte realisiert wird (Umnutzungen bestehender Gebäude, Aufstockungen, Überbauung von Parkplätzen", so Madreiter. Schon jetzt verfolge man beim Wohnraum eine 50:50-Strategie zwischen großen Stadterweiterungsvorhaben und kleinteiligen Projekten in der Stadt, hieß es. "Wir wollen ja auch sichern, dass 50 Prozent der Fläche Wiens grün bleiben." Insgesamt orientiere man sich bei dem Zukunftskonzept auch an internationalen Vorbildern wie Barcelona, Kopenhagen oder Amsterdam.

Vor allem das Jahr 2022 bescherte Österreichs Hauptstadt massives Wachstum bei der Einwohnerzahl. So wuchs Wien während der vergangenen sechs Jahre laut Angaben der Landesstatistik um 115.000 Menschen. Mit einem Zuwachs von 50.800 Personen 2022 entfiel dabei fast die Hälfte davon auf das Jahr des Krieges in der Ukraine. "In normalen Jahren wächst Wien um 10.000 bis 15.000 Personen", erklärte Ramon Bauer, Chefstatistiker der Stadt. "Es kommt jetzt auf den weiteren Verlauf des Krieges an. Ändert sich die Situation dort, könnten es mehr Einwohner werden, aber auch weniger, was entscheidend dafür ist, ob noch heuer zwei Millionen Einwohner erreicht werden."

Madreiter betonte in diesem Zusammenhang auch die positiven Effekte von Migration. "Die absolute Zahl der über 80-Jährigen wird sich in Wien in den nächsten Jahren verdoppeln", sagte er. "Ohne Migration würde die Gesellschaft massiv überaltern."

Wachstum einer Stadt spreche jedoch auch immer für Attraktivität, meinte Kerstin Krellenberg, Professorin für Urban Studies am Institut für Geographie und Regionalforschung der Uni Wien. "Denn die Bevölkerung Wiens wächst seit vielen Jahren kontinuierlich. Das besonders starke Bevölkerungswachstum im Jahr 2022, das stärkste seit dem Jahr 1962, ist durch eine positive Wanderungsbilanz in Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg zu begründen. Aber Wien ist weiterhin auch für Menschen aus anderen Ländern wie beispielsweise Deutschland attraktiv", sagte Krellenberg auf APA-Anfrage.

Solch ein Wachstum sei jedoch mit einer Reihe von Herausforderungen verbunden. "Raum oder Fläche ist keine unendliche Ressource, sodass es in Zukunft darum gehen wird, intelligent nachzuverdichten", so Krellenberg. Eine der größten Hürden sei darum, die Schaffung neuen Wohnraums bei gleichzeitigem Ausbau neuer Grünflächen zu bewältigen. "Als wichtige Maßnahme zur Kühlung der Stadt sowie auch zur ausgleichenden Wirkung bei Starkregenereignissen. Es muss bei begrenzter Flächenverfügbarkeit neuer Wohnraum geschaffen werden, der gleichzeitig klimafit und leistbar bleibt." Die Millionenstadt der Zukunft und damit auch Wien müsse darum attraktive Angebote hinsichtlich des öffentlichen Verkehrs, des Radverkehrs sowie für Fußgänger bieten. "Wir werden uns dann die hohen Versiegelungen insbesondere für den motorisierten Individualverkehr nicht mehr leisten können. Versiegelung führt zu einem Aufheizen der Stadt und einer geringeren nächtlichen Abkühlung."

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