Vater von Marine Le Pen

Front-National-Gründer Le Pen mit Herzproblemen in Klinik

Jean-Marie Le Pen und seiner Tochter Marine Le Pen.
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94-jähriger Vater von Marine Le Pen war 2015 aus Frankreichs rechtsextremer Partei ausgeschlossen worden.

Paris – Der langjährige Anführer der extremen Rechten in Frankreich, Jean-Marie Le Pen, ist mit Herzproblemen in eine Klinik eingeliefert worden – nach Angaben seiner Tochter geht es dem 94-Jährigen aber „gut“. Die neuesten Angaben über seinen Gesundheitszustand seien „beruhigend“, erklärte Marine Le Pen am Sonntag in einer Radiosendung. „Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber das wird nicht mehr lange dauern.“

Ihr Vater gehe „glorreich“ auf seinen 95. Geburtstag zu, sagte Marine Le Pen, die 2011 die Führung der extremen Rechten in Frankreich von ihrem Vater übernommen hatte. Es sei „von Zeit zu Zeit“ notwendig, im Krankenhaus „gewisse Einstellungen"“ vorzunehmen. Die Rechtspopulistin bat auch um Respekt vor der Privatsphäre ihres Vaters. Die wichtigste Information sei, dass es ihrem Vater „gut“ gehe.

Der 94-jährige Politiker war am Samstag in ein Krankenhaus in der Region Paris eingeliefert worden, wie sein Berater Lorrain de Saint Affrique mitgeteilte. Seine Familie und Freunde seien bei ihm gewesen. Le Pen musste in den vergangenen Jahren mehrfach im Krankenhaus behandelt werden, etwa im Februar 2022 infolge eines leichten Schlaganfalls.

Parteiausschluss 2015, Dauerfehde mit Tochter

Trotz seines hohen Alters und bereits vor Jahren erfolgten Rückzugs aus der aktiven Politik genießt Jean-Marie Le Pen noch immer Einfluss in der französischen Rechten. Er hatte die Front National 1972 mitgegründet und fast vier Jahrzehnte geführt. In dieser Zeit formte er die FN von einer rechten Splittergruppe zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft, machte mit markigen Provokationen vor allem Stimmung gegen Einwanderer. Fünfmal kandidierte er für das Amt des französischen Staatspräsidenten. 2002 schaffte er es gegen Amtsinhaber Jacques Chirac in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl und löste damit Schockwellen aus.

Seine Tochter Marine Le Pen übernahm 2011 die Parteiführung von ihm und versucht seitdem, die Partei durch gemäßigteres Auftreten in Wählerschichten der bürgerlichen Rechten und der Mitte wählbar zu machen. Die Rechtspopulistin brach politisch mit ihrem Vater, nachdem dieser ihre Strategie wiederholt durchkreuzt hatte. Die FN schloss Jean-Marie Le Pen schließlich 2015 aus, nachdem er die Ermordung von Juden in Gaskammern durch die Nazis mehrmals als „Detail der Geschichte" des Zweiten Weltkriegs verharmlost hatte.

Er wehrte sich erbittert, warf seiner Tochter „Verrat" vor und lieferte sich eine öffentliche Dauerfehde mit ihr. Vor Gericht setzte er durch, dass er zunächst den Titel als Ehrenvorsitzender behalten durfte. 2018 wurde ihm dieser aber gestrichen. Ein Jahr nach ihrer Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2017 ließ Marine Le Pen die Partei dann in Rassemblement National (Nationale Sammlungsbewegung) umbenennen. (APA/AFP/dpa)

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