Fotografische Grabung in der Historie: Ukrainerin ist Schwazer Stadtkünstlerin 2023
Mit Alina Panasenko hat Schwaz seine Stadtkünstlerin für 2023 gefunden. Die Ukrainerin strebt einen künstlerischen Vergleich an.
Schwaz – Einen Stadtschreiber oder eine Stadtschreiberin hat Schwaz seit 1993. StadtkünstlerInnen erst zum heuer dritten Mal. Die Idee dafür sei eigentlich „Coronaprodukt“ und sozusagen aus der Not geboren, sagt die Schwazer Kulturreferentin Iris Mailer-Schrey bei der Präsentation der Stadtkünstlerin für dieses Jahr. Es ist Alina Panasenko aus der Ukraine, die bereits seit gut einer Woche in Schwaz weilt – aus insgesamt rund 400 (!) BewerberInnen wurde sie auserwählt. Für ein noch relativ junges Projekt ist das Interesse am Schwazer Residenzprogramm hoch. Das zeige doch auch, dass man mit dem Konzept den Nerv der Zeit treffe, meint Mailer-Schrey, die neben Kunstraum-Schwaz-Leiterin Nadja Ayoub, Künstler Rens Veltmann und Kunsthistoriker Günther Dankl in der Auswahljury zur Stadtkünstlerin 2023 saß.
Insgesamt vier Wochen wird Panasenko in Schwaz bleiben und Stadt und Bevölkerung kennen lernen. In fotografischen Arbeiten will sie sich vor allem mit der Bergbauhistorie von Schwaz beschäftigen. Als Stadtkünstlerin beworben hat sich die 22-Jährige mit einer künstlerischen Gegenüberstellung der Silberstadt mit ihrer Heimat im Donbass.
Schwaz stellt Panasenko dafür neben dem kostenlosen Aufenthalt im Studienhaus des Franziskanerklosters ein Stipendium von 1500 Euro pro Monat zur Verfügung.
Nicht nur eine fotografische Grabung in der Historie, sondern eine installative Übersetzung des Vergleichs mit realen Objekten plant Panasenko für ihr Schwazer Vorhaben. Parallelen liegen auf der Hand: In Sjewjerodonezk, wo Panasenko geboren wurde, hat sie bereits eine Fotoserie der riesigen Hügel an Aushubmaterial angefertigt, die den Tiroler Bergen zumindest motivisch nahekommen. Bis heute wird im Donbass-Gebiet intensiv Kohle gefördert, Landschaft und Gesellschaft sind davon geprägt. Panasenko interessiert über die reine Industrie hinaus aber auch der Minenarbeiter als Heldenfigur, zu der er in der Sowjetzeit stilisiert wurde.
Mit der Entscheidung für Panasenko setzt die Jury in Schwaz vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs auch ein politisches Zeichen. Panasenko, die derzeit im Studium auch als Filmemacherin tätig ist, bringt ihre Erfahrungen aus der Ukraine mit nach Tirol. Seit fünf Jahren lebt sie in Kiew, wo ihr Alltag seit Beginn des russischen Angriffskriegs natürlich auch vom Konflikt geprägt ist. Dementsprechend politisch sind ihre jüngsten Arbeiten gefärbt. Ihr in Schwaz realisiertes Projekt wird am Ende von Panasenkos Aufenthalt im Mai im Kunstraum Schwaz gezeigt.
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