Gemeinsame Erklärung

Vier rote Altkanzler unterstützen Rendi-Wagner: Vorgänger Kern nicht dabei

Christian Kern (2.v.l.) fehlt auf der Unterstützungserklärung der ehemaligen SPÖ-Kanzler für Pamela Rendi-Wagner (3.v.l.).
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Rendi-Wagner erhält im SPÖ-Machtkampf mit den früheren Kanzlern Vranitzky, Klima, Gusenbauer und Faymann gewichtige Unterstützung. Christian Kern, der Rendi-Wagner 2018 als Wunschkandidatin für seine Nachfolge nominierte, steht nicht am Papier.

Wien – Vor einem Jahr war für die SPÖ-Vorsitzende die Welt noch in Ordnung. Am 27. März 2022 hielt Pamela Rendi-Wagner in der Akademie der Wissenschaften ein­e Grundsatzrede. Sie machte dabei klar, dass sie ihre Partei in die nächste Wahl führen wird und erste sozialdemokratische Kanzlerin werden will. Der Coup, der ihr bei dieser Veranstaltung gelang: Im Saal der Aula waren alle lebenden Altkanzler der SPÖ versammelt und spendeten ihr Applaus. Es war ihr erster gemeinsamer Auftritt – auch deshalb, weil Klima schon seit Jahren in Argentinien lebt.

Ein Jahr später weht Rendi-­Wagner von der Partei her ein deutlicher Wind ins Gesicht. Am Montag startet die parteiinterne Mitgliederbefragung um den SPÖ-Vorsitz. Mit Hans Peter Doskozil und Andreas Babler gibt es zwei Gegenkandidaten für Rendi-Wagner.

Und auch die demonstrative Einigkeit der Altkanzler hat einen Riss bekommen. Rendi-Wagner wird für die Urabstimmung nur noch von Franz Vranitzky, Viktor Klima, Alfred Gusenbauer und Werner Faymann unterstützt. Christian Kern ist nicht mehr dabei. Dies ist insofern bemerkenswert, weil Kern Rendi-Wagner zuerst als Gesundheitsministerin in sein Team geholt hatte und er sie auch als seine Nachfolgerin für den Parteivorsitz vorgeschlagen hatte. Kern hat noch nicht offen deklariert, wen er bei der Mitgliederbefragung unterstützt, doch er wird klar dem Lager von Doskozi­l zugerechnet.

Vranitzky und Gusenbauer waren in der Vergangenheit nicht immer glühende Unterstützer von Rendi-Wagner, Doch unter den drei Kandidaten ist Rendi-Wagner klar die Beste, sagte Gusenbauer der Tiroler Tageszeitung. Klima meldete sich seit zwei Jahrzehnten zur Innenpolitik nicht mehr zu Wort. Faymann hingegen wird gemeinsam mit Doris Bures als Berater von Rendi-Wagner genannt. Mit einer gemeinsamen Erklärung unterstützen alle außer Kern die Vorsitzende.

Denn angesichts der aktuellen Herausforderungen und Krisen sei es wichtig, dass die Sozialdemokratie geeint und auf Basis klarer politischer Programmatik der Bevölkerung überzeugende Alternativen und Zukunftskonzepte für das Land anbieten könne, heißt es in der Erklärung. Als frühere Kanzler und Parteivorsitzende trauen sie „dies­e schwierige Aufgabe in einem äußerst komplexen politischen und wirtschaftlichen Umfeld“ der amtierenden SPÖ-Vorsitzenden „aus voller Überzeugung“ zu. Rendi-Wagner verkörpere – nach einem entsprechenden Votum der SPÖ-Mitglieder – „als Spitzenkandidatin (...) eine (...) Alternative zu einem Kurs in Richtung einer mehr als problematischen Rechtsregierung“ und könne als erste sozial­demokratische Kanzlerin wieder auf einen fortschrittlichen, ökologisch verantwortlichen und sozial gerechten Zukunftskurs führen.