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Kämpfe im Sudan gehen auch am muslimischen Feiertag weiter

Weiter Kämpfe in Khartum
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In der sudanesischen Hauptstadt Khartum sind die schweren Kämpfe laut Augenzeugen und Medienberichten am Freitag trotz der beginnenden Feierlichkeiten zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan weitergegangen. Das untergräbt die Initiative von UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der zumindest für die dreitätigen Feierlichkeiten eine Waffenruhe erreichen und Zivilisten die Chance zur Flucht geben wollte.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind durch die Kämpfe seit dem Wochenende mindestens 413 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 3.500 verletzt worden. Zahlreiche Gesundheitseinrichtungen hätten geschlossen werden müssen.

Während die mit den sudanesischen Streitkräften rivalisierenden paramilitärischen Einheiten Rapid Support Forces (RSF) nach eigenen Angaben einer 72-stündigen Feuerpause ab Freitagmorgen zustimmte, erwähnte der sudanesische Machthaber und Armee-Chef General Abdel Fattah al-Burhan in einer vorab aufgezeichneten Rede keinen Waffenstillstand. Burhan warf den Paramilitärs vielmehr vor, die Bewegungsfreiheit von Zivilisten zu behindern. Dies sei aber Voraussetzung für eine Feuerpause.

Die seit sieben Tagen in ihren Häusern verschanzten Einwohner Khartums berichteten von einer Intensivierung der Gefechte. "Der lyrische Klang des ausgedehnten Eid-Gebets wird durch das groteske Stakkato von Bombardierung/Schussfeuer unterbrochen. Welche Hoffnungen es auch immer gab, dass Sudans Generäle eine humanitäre Gnadenfrist für diesen heiligen Tag gewähren könnten, wurden zunichte gemacht", schrieb die Sudanesin Kholood Khair auf Twitter.

Ahmed Shaweesh, der in Khartum wohnt, sprach von einer "Eskalation des Krieges". Die Armee und RSF hätten sich in der Nacht zum Freitag mit schweren Waffen, Bomben und Artillerie in ganz Khartum bekämpft. "Die Hauptstadt erlebt ihre schrecklichste und schwierigste Nacht", so Shaweesh. Eigentlich sollte das Eid al-Fitr-Fest, das das Ende des muslimischen heiligen Fastenmonats Ramadan markiert, ein fröhliches Ereignis sein, das von Familien bis zu drei Tage lang gefeiert wird.

Die Sudanesin Afnan Hassab berichtete, sie habe inmitten der religiösen Vorbereitungen für das Fest aufgrund von Luftangriffen dreimal in den Keller ihrer Wohnung in Khartum flüchten müssen. "Es gibt keine Normalität mehr. Was jetzt passiert, ist vorerst die neue Norm", schrieb auch Einwohnerin Dallia auf Twitter. Khartum sei zu einer Geisterstadt geworden, deren Straßen von Leichen gesäumt seien. Die Menschen, die noch nicht hätten fliehen können, kauerten verängstigt in ihren Häusern und fürchteten sich vor dem, was als nächstes komme.

Seit Tagen sitzen Tausende Einwohner Khartums nach Angaben der Vereinten Nationen in ihren Häusern fest, viele von ihnen ohne Strom oder fließendes Wasser. Nahrungsmittel, Benzin und Medikamente gingen aus. Nur wenige Geschäfte hatten laut einer dpa-Reporterin am Donnerstag vor den Feiertagen geöffnet. Die Märkte der Stadt waren geschlossen.

Medienberichten zufolge kam es am Freitagmorgen erneut zu Bombardements in der Hauptstadt. Zudem sollen Soldaten der sudanesischen Armee Wohngebiete durchkämmt haben. In einer ersten Videobotschaft seit Beginn der Kämpfe am Wochenende hatte De-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan mitgeteilt, die Macht weiterhin an eine zivile Regierung übergeben zu wollen. Konkrete Anzeichen gab es dafür keine.

Die US-Regierung hatte zuvor angekündigt, dass sich das US-Militär auf die Evakuierung von Beschäftigten der Botschaft vorbereite. Dazu seien zusätzliche Einheiten in Nachbarländer verlegt worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Pläne sollten eine "mögliche Ausreise des Botschaftspersonals sichern oder gegebenenfalls ermöglichen". Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Donnerstagmittag (Ortszeit) in Washington.

Zuvor hatte das US-Außenministerium den Tod eines US-Amerikaners im Sudan bestätigt. Details über die Identität des Getöteten wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Im Sudan waren am Samstag Kämpfe zwischen den zwei mächtigsten Generälen des Landes und ihren Einheiten ausgebrochen. Die zwei Männer führten das Land im Nordosten Afrikas mit rund 46 Millionen Einwohnern seit einem gemeinsamen Militärcoup im Jahr 2021. De-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan, der auch Oberbefehlshaber der Armee ist, kämpft mit dem Militär gegen seinen Stellvertreter Mohamed Hamdan Dagalo, den Anführer der mächtigen RSF. Seit Jahren soll die Macht an eine Zivilregierung übergeben werden.

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