Steigerung um 57 Prozent

Großteil bei Kontrollen am Brenner: Mehr Flüchtlinge in Tirol aufgegriffen

46 Prozent aller irregulären Migranten wurden laut Polizei bei Kontrollen am Brenner aufgegriffen.
© Thomas Böhm

Die Zahl jener Menschen, die unberechtigt nach Tirol einreisen, ist im Vorjahr stark angestiegen. Laut Polizei wird sich dieser Trend heuer weiter fortsetzen.

Innsbruck – Ein großer Teil von ihnen kommt nach wie vor über den Brenner. 46 Prozent jener 5580 Menschen, die im Vorjahr unberechtigt nach Tirol eingereist sind, wurden auf dieser Route aufgegriffen. Das teilte die Polizei am Freitag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck mit. Im Vergleich zum Jahr 2021 stieg die Zahl der irregulären Flüchtlinge um 57 Prozent an, auch gab es deutlich mehr Asylanträge – ein Trend, der sich laut Exekutive heuer so fortsetzen wird. Die Lage sei aber unter Kontrolle.

„Das Ende der Pandemie hatte auch Auswirkungen auf das Migrationsgeschehen“, sagt Landespolizeidirektor Helmut Tomac. „Derzeit befinden wir uns auf dem Level des Jahres 2018.“ Obwohl er von einer weiteren Zunahme ausgeht und betont, niemand könne wissen, „was dann genau zu erwarten ist“, nimmt Tomac an, dass „wir in Tirol sicher keine Zahlen haben werden, die jenen aus den Spitzenjahren entsprechen“. Im Jahr 2015 wurden zirka 10.000 Aufgriffe registriert, ein Jahr später waren es sogar rund 12.000.

Zahlen und Fakten

Aufgriffe: In Tirol wurden im Vorjahr insgesamt 5580 Menschen aufgegriffen, die unberechtigt eingereist waren. Das ist im Vergleich zum Jahr 2021 ein Anstieg von 57 Prozent. Das Gros der Flüchtlinge kam laut Exekutive aus Italien und über den Brenner ins Land.

Asylanträge: 1948 Anträge auf Asyl sind landesweit im vergangenen Jahr bearbeitet worden. Davon kamen 1288 im Rahmen der Überlaufregelung nach Aufgriffen im Burgenland zustande. Laut Polizei ist Tirol nach wie vor nicht Ziel-, sondern lediglich Transitland.

Rückübernahmen: 2253 Männer, Frauen und Kinder, denen die Einreise nach Deutschland, Italien und der Schweiz verweigert wurde, sind von den heimischen Beamten im Vorjahr überprüft worden. Tirol selbst hat 584 Menschen in selbige Länder zurückgeschoben.

Herkunftsländer: Die meisten im Jahr 2022 in Tirol registrierten irregulären Migranten stammen aus Pakistan (649) sowie Syrien (617), gefolgt von den Marokkanern (475), Indern (441) und Türken (340). Ebenfalls in der Liste der Top-Herkunftsstaaten von aufgegriffenen Flüchtlingen scheinen Tunesien (252), Albanien (239), Nigeria (209) und Ägypten (159) auf.

Harald Baumgartner, Leiter der Tiroler Fremden- und Grenzpolizei, berichtet, dass es sich bei den allermeisten im vergangenen Jahr erfassten Flüchtlingen um „sehr junge Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren handelt. Es kommen also nicht mehr die Familienverbände.“ Insgesamt 4732 der irregulären Migranten waren männlich, 618 Frauen und 230 Kinder unter 14 Jahren.

In der Liste der Haupt-Herkunftsstaaten rangiert Pakistan auf Platz eins (649 Aufgegriffene), gefolgt von Syrien (617 Aufgegriffene), Marokko (475), Indien (441) und der Türkei (340). Ein Jahr zuvor führten diese Statistik noch die Marokkaner (399) vor den Afghanen (331) an.

Übergänge in Sillian und Landeck als Alternativen

Zwar würden die meisten Menschen aus Italien kommend über den Brennerpass irregulär nach Tirol einreisen, sagt Baumgartner; die Übergänge in Sillian und Landeck seien Alternativen, im Verhältnis zur Hauptroute seien die Zahlen aber deutlich niedriger. An der Grenze in Osttirol griffen Beamte im Vorjahr 198 Menschen auf, im Oberland waren es 158. Auch mehrere mutmaßliche Schlepper konnte die Exekutive festnehmen – im Jahr 2022 lag die Zahl der ausgeforschten Tatverdächtigen bei 41, im Jahr 2021 bei 35 und 28 Schleuser wurden im Jahr 2020 identifiziert.

Der Leiter der Fremdenpolizei hält fest, dass der Anstieg bei den Aufgriffen in Tirol in Relation zu den bundesweiten eher gering sei. Insgesamt habe es in Österreich eine Zunahme von 160 Prozent gegeben, hierzulande eben „nur“ um 57 Prozent.

Im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016 haben wir uns organisatorisch neu aufgestellt.
Helmut Tomac (Landespolizeidirektor Tirol)

"Prognosen für Tirol alles andere als beunruhigend"

Trotz der Entwicklungen bei der irregulären Migration glaubt Helmut Tomac nicht, dass die Situation eskaliert. „Die Prognosen für Tirol sind alles andere als beunruhigend. Im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016 haben wir uns organisatorisch neu aufgestellt“, sagt der Landespolizeidirektor. „Auch die Infrastruktur ist im Ausbau begriffen.“ Am Brenner entsteht ein so genanntes „Grenzmanagementzentrum“, das laut Tomac Ende September dieses Jahres in Betrieb gehen soll.

Zudem werde es in Kürze Gespräche mit den Exekutivbehörden in Deutschland und Italien geben, wo trilateral die aktuellen Flüchtlingsbewegungen erörtert und mögliche gemeinsame Maßnahmen diskutiert und beschlossen werden sollen.