Kultur Österreich

Österreichs Leipzig-Basislager servierte "Roboter mit Senf"

Der Nino aus Wien ist in Leipzig
© APA

Bei der Eröffnung der Leipziger Gastland-Zentrale in der Schaubühne Lindenfels am Donnerstagabend blieben die Österreicher weitgehend unter sich. Man habe am Eingang getestet, meinten Klaus Kastberger und Daniela Strigl am Beginn ihrer Literaturshow "Roboter mit Senf": 99 Prozent der Gäste konnten das Motto "meaoiswiamia" richtig aussprechen und stammten offenbar aus Österreich. Für den einen Deutschen im Publikum wolle man sich aber besonders anstrengen, versprachen sie.

Es wurde ein vergnüglicher und passender Auftakt, wiewohl der ehemalige Ball- und Kinosaal, der seit 1993 als unabhängiger Veranstaltungsort geführt wird, wohl die dezentralste Zentrale darstellt, die sich denken lässt und weder in Gehweite der Messe noch der Innenstadt liegt. Der Stimmung der zahlreichen Gäste - darunter Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne), ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger, Bundestheater-Holding-Chef Christian Kircher, Ex-Kunsthalle Wien-Leiter Gerald Matt sowie zahlreiche Autorinnen und Autoren, Verlegerinnen und Verleger - tat dies keinen Abbruch, zumal die beiden Literaturkritik-Staatspreisträger Kastberger und Strigl bewiesen, dass man das öffentliche Sprechen über Literatur Richtung Dadaismus treiben kann, ohne sich bloß auf Blödelei zu verlegen.

Wenn sie darüber sinnierten, ob sie nun nicht arbeitslos würden, weil nun wirklich alle, auch die deutschen Kritiker, wüssten, was die Spezifika der österreichischen Literatur seien, und ihnen damit nun das Wasser abgegraben werde ("Ich lebe ganz gut von der österreichischen Literatur", meinte Haushofer-Biografin Strigl) und Kastberger Richtung Politik sondierte, ob unter diesen Umständen ein spezielles Frühpensionsalter für heimische Germanisten und Germanistinnen infrage käme, dann hatte das Niveau, Witz und auch eine Prise Selbstkritik.

Die beiden sind ein gut eingespieltes Team und legen die von Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler einst eingenommene Rollenverteilung ganz neu an. Mit ihren Gästen konnten sie etwas weniger anfangen. Die Autorin Raphaela Edelbauer (neu: "Die Inkommensurablen") wurde etwa über Pataphysik, Schwimmen, Mode und die neue niederösterreichische Koalition befragt, ihre Kollegin Marie Gamillscheg ("Aufruhr der Meerestiere"), die in Leipzig lebt, etwa über den Exotismus-Bonus der Österreicher.

Das wichtigste sind aber ohnedies das Setting mit Würstlstand, in dem ein Roboter die Zubereitung der Wurstware besorgt, und die skurrilen Spiele, zu denen die Gäste genötigt werden: Edelbauer musste gegen Strigl im Senf-Riechen antreten, der Nino aus Wien gegen Kastberger im Saal auf Wurst-Jagd gehen. Als Talk-Gast erwies er sich trotz einschläfernder Stimme als erstaunlich aufgeweckt, bot eine Kostprobe seiner Leipziger Straßenbahn-Durchsagen ("Eigentlich so ein Chris-Lohner-Job ...") und danach auch einen Song als Teaser für sein daran anschließendes Konzert.

Und per Videoschaltung erfuhr man von Martin Brachvogel von der Außenstelle Graz, wie viele Dichter denn noch überhaupt daheim zu finden seien. Darauf gab es nur eine logische Antwort: "meaoiswiamia".

Morgen lockt u.a. Christine Lavants "Wechselbälgchen" in einer Lesung mit Musik mit Anne Bennent und "Brot & Sterne" (Franz Hautzinger, Matthias Loibner, Peter Rosmanith) in die Schaubühne, am Samstag die Literatur-Gala "Werdet Österreicher!" mit Stermann & Grissemann.

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