Das Baby, der Anstand, die Politik
Im Innsbrucker Gemeinderat vollzieht sich, was schon mehr als 30 Jahre zuvor im Nationalrat für Empörung gesorgt hatte. Über Anstand und Würde in der Politik soll und muss man diskutieren. Ein Baby eignet sich dazu aber nicht.
Es war vor mehr als 30 Jahren. Empörung im Hohen Haus. Die grüne Abgeordnete Christine Heindl stillte ihr Baby. Vor allem Männer sahen durch die natürlichste Form der Nahrungsaufnahme eines Kindes das Ansehen und die Würde des Parlaments verletzt. Christine Heindl sorgte auch außerhalb Österreichs für Schlagzeilen. Ein spanisches Fernsehteam widmete etwa der stillenden Abgeordneten einen Beitrag. Dabei ging es aber nicht um den „Skandal des Stillens“. In Spanien konnte man bloß nicht nachvollziehen, warum das Stillen im öffentlichen Raum überhaupt einen derartigen Wirbel auslösen kann.