Alpin Noir: „Der Pass“ startet in die finale Staffel
Dunkel drohende Berge und noch dunkler drohende Geheimnisse: Die Sky-Serie „Der Pass“ startet heute in ihre dritte – und letzte – Staffel.
Innsbruck – Das Ende naht – und doch zieht es sich. Auf einigermaßen nervenzerfetzende Art, versteht sich. So hat es der Krimi-Mehrteiler „Der Pass“ quasi stilbildend etabliert – und dafür beinahe alle denk- und undenkbaren deutschsprachigen Filmpreise gewonnen: „Alpin noir“ – dunkel drohen die Berge, die Tonspur verdichtet sich zum Klangteppich, wenig Worte werden gemacht, dafür schauen alle misstrauisch oder sonst komisch. Jeder Blick ein Geheimnis. Und jedes Geheimnis verweist auf ein anderes Geheimnis. Verrätselung in Vollendung – ein klein bisschen zu sehr verliebt vielleicht in die stolz zur Schau gestellte eigene Brillanz, aber nach wie vor televisionärer Goldstandard.
Nun geht „Der Pass“ in seine dritte – und letzte – Staffel. Die Grundkonstellation darf als bekannt vorausgesetzt werden: Im deutsch-österreichischen Grenzgebiet wird gemordet, Ellie Stocker (Julia Jentsch) und Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek) ermitteln – immer nah am Abgrund.
🎬 Trailer | „Der Pass“, Staffel 3
Seit Ende der zweiten Staffel – das sollte man wissen – können sie, aus gutem Grund, eigentlich nicht mehr miteinander. Aber ohneeinander geht es eben auch nicht. Und dass beide nicht nur einen oder vielleicht auch mehrere Serienmörder jagen, sondern auch in den eigenen Untiefen forschen, macht alles noch ein bisschen unübersichtlicher – und schmerzhaft zum Quadrat. Wie Jentsch und Ofczarek die auf ihre je eigene Art diese königlich kaputten, von Dämonen aller Art geplagten Polizisten spielen, darüber müsste man Balladen schreiben. Allein wie Ofczarek einen ihm unliebsamen Kollegen aus dem Büro drängt – ein Gedicht.
Natürlich ist nichts zufällig in den von Showrunner und Regisseur Christopher Schier und Kameramann Thomas W. Kiennast kühl komponierten Bildern. Kein im Hintergrund herumstehendes Dekostück, kein dezent zurechtdrapiertes Gemälde. Und der Bub, der recht früh, so auffällig unauffällig auf einen Tatort starrt, schon gar nicht. Den spielt Felix Kammerer, um den sich seit „Im Westen nichts Neues“ halb Hollywood bemüht. Der wird noch wichtig, denkt man sich, während die Kamera an ihm vorbeischwebt. Und ist dann doch überrascht, weil alles ganz anders kommt. Später, sehr viel später stößt auch August Diehl zur illustren Runde möglicher und unmöglicher Verdächtiger. Dann naht das Ende tatsächlich – und spätestens wenn Stocker und Winter, nachdem wenigstens die vordergründigsten Geheimnisse gelüftet wurden, mit seltsam beseeltem Blick zu Wolfgang Ambros’ „I drah zua“ zögernd zusammenfinden, weiß man: Gut, dass es vorbei ist.
Der Pass, 3. Staffel
8 Episoden. Ab heute Donnerstag, 20.15 Uhr, Sky One.
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