Riesige Felsmassen bedrohen Schweizer Dorf: Bewohner müssen gehen
Alle 85 Einwohner des Schweizer Orts Brienz müssen bis Freitagabend aus ihren Häusern raus. Ein Bergsturz droht.
Brienz – Familienfotos, Dokumente – alles, was einem lieb und teuer ist, und alles, was man zum Leben braucht. Das packen derzeit die 85 Einwohner des kleinen Orts Brienz in Graubünden zusammen. Bis Freitagabend müssen sie eine neue Bleibe gefunden haben, der Ort ist bis auf Weiteres unbewohnbar, vielleicht aber auch für immer.
Die Brienzer leben schon lange mit der Gefahr, die in Form von 56 Millionen Kubikmetern Fels über ihren Häusern hängt und sich – bis vor Kurzem langsam – talwärts bewegt. Die schiefe Kirche und die Risse in etlichen Häusern ließen sie das auch nie vergessen. Doch jetzt ist die Bedrohung akut. Zwei Mio. Kubikmeter haben sich – forciert vom anhaltenden Regen – so stark in Bewegung gesetzt, dass ein Bergsturz droht. Die Behörde hat deshalb die Evakuierung angeordnet.
Manche haben in Brienz nur ihren Zweitwohnsitz, für andere aber ist es die Heimat. Und nicht alle wussten am Mittwoch schon, wo sie unterkommen werden. Nicht alle haben Freunde oder Angehörige, von denen sie aufgenommen werden können. Und doch müssen sie weg, dürfen einstweilen nur am Tag zurück, um etwas zu holen oder die Tiere zu versorgen.
Sobald der Abbruch nur noch wenige Tage entfernt ist, gilt ein Betretungsverbot. Die beiden Bauern müssen dann auch ihre Tiere in Sicherheit bringen. Die Kühe hätten Platz in einem Stall des Kantons, erzählt Giorgin Bonifazi der Schweizer Gratiszeitung 20 Minuten. Den Schafen werde er eine Weide außerhalb der Gefahrenzone errichten.
Renato Liesch (43) hatte der Zeitung von drei Wochen noch mit Galgenhumor auf die Frage geantwortet, was er mitnehmen werde, wenn es so weit sei: „Die Hirschgeweihe, die Mutter, das Schnitzmesser ...“ Als es dann so weit war, war das „wie ein Schlag ins Gesicht“, erzählt er 20 Minuten. Inzwischen hat Liesch für seine Mutter einen Platz im Nachbardorf gefunden und eine Tasche mit Kleidern in sein Maiensäss gebracht, wo er die nächste Zeit leben wird. (sta)
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