Politologe Günay im Interview

Erdogan bangt um seine Macht: Schicksalswahl nicht nur für die Türkei

Nach 20 Jahren an der Macht muss der autoritär regierende und mit einer enormen Machtfülle ausgestattete Präsident Recep Tayyip Erdogan um seinen Machterhalt bangen.
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Die Türkei steht am Scheideweg. Präsident Erdogan, der das Land zunehmend autoritär und populistisch seit 20 Jahren dirigiert, muss um seine Macht bangen. Die TT sprach mit dem Politologen Cengiz Günay.

Nach 20 Jahren an der Macht muss Präsident Recep Tayyip Erdogan bei der Wahl am Sonntag erstmals um seinen Machterhalt bangen. Die beherrschende Frage lautet, ob es seinem Herausforderer Kemal Kilicdaroglu, Oppositionsführer und Chef der Volkspartei CHP, gelingen kann, Erdogan zu besiegen. Kann das bisher Undenkbare geschehen?

Cengiz Günay: Die Chance für die Opposition, Erdogan vom Thron zu stoßen, war noch nie so groß. In jüngsten Umfragen liegt Erdogans Herausforderer Kilicdaroglu in Umfragen mit 49 zu 45 Prozent der Stimmen voran. Wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, kommt es zu einer Stichwahl. Eines ist jedenfalls zu beobachten: Die Stimmung im Land hat sich gedreht, das Momentum liegt bei der Opposition. Erdogan und seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP ist es nicht mehr gelungen, die Debatte zu prägen, die Themen vorzugeben. Der Präsident und seine Regierung waren im Wahlkampf meist in der Defensive. Erdogans Lager fehlt es an Visionen.

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