📺 „La Syndicaliste“

Die Gewerkschafterin im Kampf gegen die Mächtigen

In „La Syndicaliste“ brilliert Isabelle Huppert als Gewerkschafterin Maureen Kearney.
© Filmladen

„La Syndicaliste“ erzählt eine wahre Geschichte von Gewerkschafterin Maureen Kearney als Politthriller mit einer spannenden Hauptfigur.

Innsbruck – Alles beginnt mit einem brutalen Überfall im eigenen Haus. Das Opfer bekommt einen Sack über den Kopf gezogen, einen Knebel in den Mund gesteckt und wird an einen Stuhl gefesselt. Im Keller wird ihm dann vom Angreifer mit einem Messer der Buchstabe „A“ in den Bauch geritzt und der Griff des Messers in die Vagina gesteckt. Das Opfer heißt Maureen Kearney und ist nicht irgendwer. Die gebürtige Irin ist die Chef-Gewerkschafterin des französischen Atomkonzerns Areva – A wie Areva?

Kearney gibt es wirklich und der Überfall hat sich genau so vor gut 10 Jahren zugetragen. Nun wurde er als Spielfilm unter dem Titel „La Syndicaliste“ (deutsch: „Die Gewerkschafterin“) verfilmt. Und die wird von keiner Geringeren verkörpert als von Isabelle Huppert.

Der Fall brachte als „Affaire Maureen Kearney“ in Frankreich so einiges ins Rollen bis hin zum auch hierzulande gut bekannten Instrument des parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Denn als Gewerkschafterin vertritt Kearney immerhin 50.000 Angestellte. Sie drohen bei einer Fusion mit einer chinesischen Firma den Job zu verlieren. Zudem steht ein Ausverkauf der französischen Atomtechnologie im Raum. Kearney stolpert in all das hinein und bleibt doch standfest. Denn „nur wer aufrecht steht, spürt den Gegenwind“. So heißt es in einem politischen Slogan, der auf jemanden wie Kearney passt. Die sei als Gewerkschafterin und Whistleblowerin durchaus eine moderne Heldin, erklärt Isabelle Huppert dazu im Interview. Nach dem Überfall verweigert sie sich gängigen Opfer-Zuschreibungen. Das wiederum macht die Polizei misstrauisch, die sie nach erfolglosen Ermittlungen gar vom Opfer zur Verdächtigen macht.

🎬 Trailer | Die Gewerkschafterin

Die Gewerkschafterin nimmt indessen jetzt erst recht den Kampf gegen das Management von Areva auf. Dabei gerät sie immer tiefer in eine Korruptionsaffäre, die bis weit hinauf in die französische Politik reicht.

Das alles ist der perfekte Stoff für einen Politthriller mit einer spannenden Hauptfigur. Huppert gibt der Heldin des wahren Korruptionsskandals ein ebenso eiskaltes wie menschliches Gesicht. Kürzlich von ihrem jüngeren deutschen Kollegen Lars Eidinger als „Inbegriff der Schauspielerei“ bewundert, wertet sie den Film spürbar auf. Vergleiche mit ihrer Rolle in Paul Verhoevens „Elle“ liegen nahe, führen jedoch in dieser von Anfang bis Ende eindeutigen True-Crime-Story ins Leere. Denn Regisseur Jean-Paul Salomé hat kein Interesse an Provokation und dem Spiel mit dem Publikum. Sein etwas formel- und fernsehhafter Thriller erzählt die wahre Geschichte routiniert und ohne Überraschungen nach. Ein großartiges Ensemble rund um die herausragende Hauptdarstellerin hilft ihm dabei. Hupperts enigmatische Figur inmitten einer sexistischen Männerwelt bringt Reibung in so manche Szene. Dafür lohnt sich der Kinobesuch allemal.

Die Gewerkschafterin. Ab heute im Kino. In Innsbruck: Leokino.