Hunderte Euro Mehrkosten durch Strom und Gas in Tirol
Durchschnittshaushalt kosten die Preiserhöhungen von Tiwag und Tigas laut AK insgesamt 1100 Euro im Jahr. Preise sollen bald evaluiert werden.
Innsbruck – Mit den vergleichsweise günstigen Tarifen der landeseigenen Tiroler Energieversorger ist es ab Sommer vorbei. Neben der Tiwag, die ihren Strompreis im Sommer spürbar verteuert, verdoppelt ihre Gastochter Tigas ab 1. Juli den Gas-Tarif. Unterm Strich verrechnet die Tigas dann für die Kilowattstunde einen Arbeitspreis von 11,93 Cent brutto, gab das Unternehmen bekannt. Hinzu kommen noch die behördlich vorgegebenen Netzgebühren.
Für Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh Strom und 15.000 kWh Gas, die sowohl Tiwag- als auch Tigas-Kunden sind, bedeuten die Strom- und Gasverteuerungen jährliche Mehrkosten von insgesamt 1100 Euro (inkl. Strompreisbremse), rechnete die AK vor.
Der teure Gaseinkauf aus dem Vorjahr mit teilweise über 300 Euro pro Megawattstunde (umgerechnet 30 Cent je kWh) im vergangenen Sommer schlage nun auch beim Endverbraucher durch, begründete die Tigas den Preisschub. Sie habe schließlich keine eigene Gasproduktion.
Im Detail sieht es so aus, dass die Tigas den Gas-Tarif im Juli von bisher 5,85 brutto eigentlich zunächst auf 15,05 brutto erhöht. Diese Steigerung ergibt sich aus den verbindlichen Rechenformeln in den Vertragsklauseln der Tigas. Gleichzeitig aber wird die Tigas einen „Aktionsbonus“ vergeben, wodurch ab Juli letztlich der besagte Neupreis von 11,93 Cent brutto zustande kommt. Den Aktionsbonus könne man deshalb vergeben, weil der Gasverbrauch im vergangenen Winter unter den Erwartungen lag, schildert Tigas-Geschäftsführer Martin Grubhofer. „Dadurch wurden überschüssige Mengen am Markt verkauft und dieser Aktionsbonus ermöglicht.“
Die nötigen Gasmengen werden ein Jahr im Voraus eingekauft, erläutert der technische Tigas-Chef Georg Tollinger. Nachdem der vergangene Winter wärmer als erwartet war und die Menschen beim Verbrauch gespart hätten, habe man das damals zu viel und noch günstig gekaufte Gas nun zu einem höheren Preis verkaufen können. Aus diesem Geschäft wurde ein zweistelliger Millionenbetrag lukriert, der nun als Aktionsbonus weitergegeben wird. „Wir sehen uns an, ob wir einen ähnlichen Effekt auch im nächsten Winter haben, dann geben wir ihn als Bonus an Kunden weiter“, sagt Tollinger. Er erwartet 2024 insgesamt eine Entspannung am Gasmarkt. Der Gas-Speicher in Haidach sei zudem zu mehr als 90 % gefüllt.
Beim Strompreis könnte bereits der Herbst etwas Entspannung bringen. „Wir werden nach dem Sommer unsere Aufbringungskosten evaluieren und über die weitere Preisentwicklung entscheiden“, erklärt Tiwag-Chef Erich Entstrasser. Dabei könnte auch die vom Bund angedrohte Gewinnabschöpfung eine Rolle spielen. Entstrasser: „Wir kennen weder Gesetzeswortlaut noch Umsetzungsverordnung und können daher zu den Auswirkungen der angekündigten Gewinnabschöpfung noch keine Aussagen machen.“

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