Nachruf auf Italiens Ex-Premier

Der schöne Schein: Politologe Pallaver über die Berlusconisierung Italiens

Silvio Berlusconi: „Es gibt niemanden auf der Welt, der so tun kann, als könne er mit mir mithalten.“
© ALBERTO PIZZOLI

Selbstinszenierung, Geld und Macht: Silvio Berlusconi revolutionierte die italienische Politik und wurde international zum Vorläufer von Populisten und illiberalen Demokraten.

Mailand – Mit Silvio Berlusconi ist einer der schillerndsten europäischen Politiker der vergangenen Jahrzehnte für immer abgetreten. Er starb 86-jährig in der Mailänder Klinik San Raffaele, wie seine Familie und Unternehmen am Montag bekannt gaben.

Berlusconi hat die italienische Politik seit den neunziger Jahren geprägt und mit Skandalen und Sprüchen auch international für Schlagzeilen gesorgt. Viermal war er Ministerpräsident. Bescheidenheit war seine Sache nicht. „Ich bin der Jesus Christus der Politik“, sagte er einmal.

Vor allem steht Berlusconi für einen neuen Typ von Politiker, der auch international ein Vorläufer für andere war, wie der Politologe Günther Pallaver der TT sagte. Als Milliardär, der sich populistisch als Opfer des Systems inszeniert, ging er dem früheren US-Präsidenten Donald Trump voran. Als Ministerpräsident, der versuchte, Justiz und Medien zu knebeln, lieferte er eine Vorlage für Ungarns Premier Viktor Orbán. „Er hat den Weg für die illiberale Demokratie geebnet, auch wenn er sie selbst nicht verwirklichen konnte“, sagt Pallaver.

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