Der vermessene Mensch

Schlaf, Stimmung, Sex: Wenn Uhr und App unser Leben kontrollieren

Mogeln und den eigenen Lebensstil schönflunkern funktioniert in Zeiten des digitalen Selbstvermessens nicht mehr. Denn Uhr und App sammeln allerlei Zahlen des Lebens – von Fitness bis zur Körperfunktion. Ein Trend, der ebenso motiviert wie stresst.

Bisher 9186 Schritte. 2,3 getrunkene Liter Wasser. 59 gelesene Buchseiten. 36 Kilometer per Auto. 7:03 Stunden Nettoschlafzeit. 29-mal gelacht. Die Sehnsucht nach Kontrolle scheint tief zu sitzen. Nach Selbstvermessung. Nach Selbstbestätigung. Warum sonst würden sich immer mehr Menschen Fitnessuhren ans Handgelenk schnallen und Smartphone-Apps installieren, um jeden erdenklichen Aspekt ihres Tages zu erfassen?

Die zurückgelegten Schritte zu zählen ist nur ein Anfang. 10.000 sollten es täglich sein – je nach Schrittlänge sieben bis acht Kilometer – um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, Demenz und Osteoporose vorzubeugen. Je mehr, desto gesünder. So lautet das vollmundige Versprechen. Doch Sportwissenschafter Hans-Peter Platzer relativiert: „Schritte zu zählen gibt nur Auskunft über den Umfang, nicht die Intensität des Trainings.“

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