Mahnmal aus Stühlen, Tafeln & Kerzen

Schwazerinnen und Schwazer setzten ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Auf der Steinbrücke setzten zahlreiche Schwazerinnen und Schwazer gestern ein Zeichen unter dem Motto „Stoppt Gewalt an Frauen“.
© Dähling

Stühle, Tafeln und Kerzen wurden in Schwaz zum Mahnmal für ermordete Frauen.

Schwaz – Elf Stühle mit elf Trauerkerzen und elf Infotafeln, die über elf Frauen informieren, die eines eint: Sie wurden heuer in Österreich ermordet. Eigentlich müssten es 14 Tafeln sein. In den letzten Tagen kamen weitere drei Frauen hierzulande durch ein Gewaltverbrechen zu Tode. An sie alle soll das Mahnmal aus Stühlen, Kerzen und Infos auf der Steinbrücke im Zentrum von Schwaz erinnern und die Gesellschaft für diese Dramatik sensibilisieren.

Gestern trafen sich auf besagter Innbrücke Geistliche, Kommunalpolitiker, Fraueninitiativen und alle, die gegen Gewalt an Frauen ein Zeichen setzen wollen. Darunter mit Andreas Mayr auch der Leiter der Schwazer Silberhoamat-Altersheime. „Von unseren Mitarbeiterinnen sind auf dem Weg zur Frühschicht oder von der Spätschicht schon welche von betrunkenen Männern angepöbelt worden“, sagt er und nimmt ein paar „Stoppt Gewalt an Frauen“-Flyer mit. Auch an Autofahrer und in Geschäften und Bussen wurden die Informationen verteilt. Welches Handzeichen auf einen stillen Hilferuf bei häuslicher Gewalt hinweist und welche Hotline Frauen in einem solchen Notfall wählen sollten – nämlich 0800 222 555 – ist dort nachzulesen. „Auch für Männer gibt es mit 0512 57 66 44 eine Hotline, die sie anrufen sollten, wenn sie bei sich Gewalttendenzen bemerken“, sagt Doris Stauder vom Verein „Frauen gegen Vergewaltigung“ und den „Schwazer Frauen“. Das Ganze sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. „Der Schutz heißt nicht nur Selbstverteidigungskurse für Frauen. Es geht darum, dass unsere Gesellschaft lernen sollte, sich von patriarchalen Strukturen zu lösen“, erklärt Stauder. Auch Petra Lintner, Referentin für Jugend, Frauen und Gleichberechtigung der Stadt Schwaz, setzt sich dafür ein, patriarchalische Rollenbilder aufzuweichen – von Kindheit an. „Dass Österreich in Sachen Femizide EU-weit an der Spitze steht, sollte zu denken geben“, meinen Lintner und Stauder.

Eine zweideutige Botschaft, die viele Frauen eindeutig ihrem Ex-Partner zu verstehen geben, lautet: „Du bist mir mit Abstand am liebsten“. Allein in der Silberstadt zeugten 2022 insgesamt 32 Betretungs- und Annäherungsverbote davon, wie viele Frauen amtlich bekannt von häuslicher Gewalt betroffen sind. „Wir setzen uns gegen sämtliche Formen der Gewalt gegen Frauen, Kinder und Männer ein und verurteilen sie auf Schärfste“, betont BM Victoria Weber. Um ein Zeichen als Vorreiter zu setzen, werden städtischen Mitarbeitern Gewaltpräventionsschulungen angeboten.

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