🌍 Brot landet am häufigsten im Müll

Auch nach Überschreiten genießbar: Mindesthaltbarkeits-Datum laut Greenpeace nur eine Frischegarantie

Aktuell landen in Österreich jede Sekunde 26 Kilogramm einwandfreie Lebensmittel im Müll.
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Fünf von sechs Produkten sind auch drei Monate nach dem Überschreiten des MHD noch einwandfrei. Die Umweltorganisation fordert eine Ausweitung der Meldepflicht bei der Lebensmittelverschwendung.

Wien – Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bei Lebensmitteln ist laut Greenpeace nur eine Frischegarantie. Das hat der Langzeitcheck der Umweltschutzorganisation ergeben, den Greenpeace am Dienstag veröffentlichte. Demnach waren auch drei Monate nach dem Überschreiten des MHD fünf von sechs Produkten noch genießbar. Lediglich die hart gekochten Eier waren nach einem Monat durch den sensorischen Test gefallen, von einer Geschmacksprobe nahmen die Tester daraufhin Abstand.

Alle anderen Produkte – frische Eier, Striezel, Mischbrot, Selchroller und Frischkäse – bestanden unter Einhaltung der auf den Verpackungen empfohlenen Lagerungsbedingungen die Tests und waren einwandfrei genießbar. Die frischen Eier waren auch drei Monate nach dem MHD völlig unauffällig, beim Mischbrot und beim Striezel tauchte der Zusatz trocken im Laufe des Tests auf. Bei den Selchrollern wurde zuletzt „wenig blassrosa, klare Serumabscheidung" festgehalten. Der Frischkäse zeigte bei den sensorischen Untersuchungen immer wieder leichte Veränderungen, er wurde letztlich nach dem AMA-Bewertungsschema mehrmals in die Güteklasse 2 herabgestuft. Die mikrobiellen Untersuchungen zeigten aber keine Auffälligkeiten.

Greenpeace forderte aufgrund der Ergebnisse des Dauertests von der Bundesregierung, die Meldepflicht für weggeworfene und gespendete Lebensmittel auf Branchen wie etwa die Lebensmittelindustrie auszuweiten. „Unser Langzeitcheck beweist klar, dass Lebensmittel deutlich länger halten, als das Mindesthaltbarkeitsdatum uns weismachen will. Aktuell landen in Österreich jede Sekunde 26 Kilogramm einwandfreie Lebensmittel im Müll. Diese Verschwendung muss gestoppt werden", sagte Melanie Ebner, Landwirtschaftssprecherin bei Greenpeace Österreich.

Die Meldepflicht für Supermärkte ist ein guter erster Schritt, um der Lebensmittelverschwendung einen Riegel vorzuschieben.
Greenpeace

Erst Ende Mai habe der Nationalrat eine Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes beschlossen, das auch eine Meldepflicht für Supermärkte enthält. Diese sollen ab Oktober dem Umweltministerium unter anderem darlegen, wie viele Lebensmittel sie weggeworfen haben. Aktuell ist nur bekannt, dass jährlich geschätzt 71.000 Tonnen Lebensmittel als vermeidbare Abfälle im österreichischen Lebensmittelhandel im Restmüll landen. „Die Meldepflicht für Supermärkte ist ein guter erster Schritt, um der Lebensmittelverschwendung einen Riegel vorzuschieben. Das alleine wird aber nicht ausreichen. Die Meldepflicht muss auch auf andere Branchen wie die Gastronomie, die öffentliche Versorgung sowie Lebensmittelproduzenten ausgerollt werden. Außerdem müssen konkrete Reduktionsziele für die einzelnen Branchen vorgegeben werden", forderte Ebner.

Laut Greenpeace landen in Österreich Brot und Backwaren am häufigsten in der Abfalltonne. Rund 210.000 Tonnen werden jährlich in den Haushalten, im Handel und in der Lebensmittelproduktion entsorgt. Hinzu kommt noch, was an Brot und anderem Gebäck in der Gastronomie und der Hotellerie anfällt. „Jedes fünfte Lebensmittel, das im Müll landet, ist Brot oder Gebäck. Wie der Greenpeace Langzeitcheck jedoch zeigt, halten gerade verpackte Backwaren weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. Sie sollten daher nicht automatisch nach dem Überschreiten des MHD in die Tonne geworfen werden", empfahl die Umweltschützerin.

Damit auch im eigenen Haushalt weniger weggeschmissen wird, empfahl Greenpeace den Konsumentinnen und Konsumenten, die Lebensmittel richtig aufzubewahren. „Die meisten Produkte halten besonders lang, wenn sie dunkel, kühl und trocken gelagert werden", sagte Ebner. Wer mehr Tipps zur Lagerung möchte, wird im Greenpeace-Ratgeber „Lebensmittellagerung" fündig. Allgemein riet die Umweltschutzorganisation, sich auf die eigenen Sinne zu verlassen. „Wer zuerst schaut, riecht und tastet, schont nicht nur die Umwelt, sondern spart auch Geld." (APA)

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