Einstimmige Entscheidung

Tiroler Landespreis für Kunst 2023 geht an Nora Schlocker

Nora Schlocker ist seit 2019/20 ist als Hausregisseurin am Residenztheater München tätig.

Der Preis ist mit 14.000 Euro dotiert, die Verleihung erfolgt beim Fest der Kultur im Herbst.

Die Regisseurin Nora Schlocker wird für ihre vielseitige und qualitätsvolle künstlerische Arbeit mit dem Tiroler Landespreis für Kunst 2023 ausgezeichnet. Der Preis, der seit 1984 vergeben wird, ist mit 14.000 Euro dotiert. Das hat die Tiroler Landesregierung aufgrund einer einstimmigen Entscheidung der Jury am Dienstag beschlossen. Die Preisverleihung findet im Herbst beim Fest der Kultur in Innsbruck statt.

„Nora Schlocker sucht große Theatergeschichten, die berühren und anregen, ob in klassischen oder zeitgenössischen Texten. Die Regisseurin überzeugt mit ihren Arbeiten Kritikerinnen und Kritiker sowie Publikum gleichermaßen und arbeitet seit rund 15 Jahren auf höchstem Niveau. Die Karriere der aus Tirol stammenden Regisseurin ist absolut herausragend und hat Vorbildwirkung für andere, im Bereich der Darstellenden Kunst tätige Tiroler Künstlerinnen und Künstler,“ zitierte LH Anton Mattle aus der Begründung der Jury.

Mit dem höchst dotierten Kunstpreis des Landes, der alle Sparten von der Bildenden Kunst bis zur Literatur umfasst, soll entweder ein herausragendes Gesamtwerk oder außergewöhnliche Einzelleistungen einer Künstlerin bzw. eines Künstlers gewürdigt werden. „Mit dem Tiroler Landespreis für Kunst werden Persönlichkeiten geehrt, die durch ihr kulturelles Wirken wichtige Impulse setzen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung unseres Landes leisten“, betont LH Mattle.

Sie wusste mit 10, was sie werden wollte

Als Erstklässlerin im Gymnasium in der Innsbrucker Angerzellgasse schrieb Nora Schlocker ins Schularbeitenheft, dass sie einmal Regisseurin werden wolle. Verbrieft ist diese Anekdote, weil sich ihre Mutter, TT-Kulturredakteurin Edith Schlocker, bestens daran erinnert.

30 Jahre später hat Nora Schlocker ihren beruflichen Traum längst verwirklicht. Sie ist als Theaterregisseurin auf den großen Bühnen Deutschlands gefragt. Seit vier Jahren arbeit die bald 40-Jährige als Hausregisseurin am angesehenen Residenztheater in München. Einmal im Jahr, so hat sie es sich vertraglich ausbedungen, kann sie auch an einer anderen Bühne Theater inszenieren. Aktuell ist es das Schauspielhaus Bochum, auch eine gute Adresse in diesem Metier. Dort brachte Schlocker im April Alice Birchs Stück „Blank“ zur Premiere.

Die Möglichkeit eines Gastspiels außerhalb Münchens eröffnet Innsbruck die (vielleicht theoretische) Chance, Schlocker erstmals als Regisseurin auch am Tiroler Landestheater begrüßen zu können. Denn ihre Karriere nahm fern der Heimat ihren Lauf. Nach der Matura zog es sie zum Studium nach Berlin, wo sie immer noch lebt.

Als Mutter zweier Kinder ist ein stressiger Job am Theater eine Herausforderung. Bei Schlocker kommt das Pendeln zwischen ihrem Wohnort Berlin und dem Arbeitsort München noch dazu. „Ich will nicht, dass meine Familie wegen meines Berufs umziehen muss“, sagt sie. Lieber nimmt sie es in Kauf, oftmals den Intercity zwischen den beiden deutschen Metropolen besteigen zu müssen. Die Berliner Schwiegereltern, die Tiroler Eltern sowie ihr Mann, ein Architekt, unterstützen die Theaterfrau nach Kräften.

In die Heimat kehrt Schlocker allsommerlich zurück. Ihre Kinder Smilla (6) und Fanny (10) lieben es, auf einer angemieteten Almhütte „hoch droben auf 2000 Metern“ Ferien zu machen. Schlocker fühlt sich dabei in die eigene Kindheit zurückversetzt. Und sie stillt auf diese Weise ihre Sehnsucht nach den Bergen.