Die Löwen verlernen das Brüllen: Peugeot elektrifiziert
Peugeot hat nun alle Baureihen elektrifiziert. Die Vollstromer – etwa der facegeliftete e-2008 – sind stärker, neu eingeführt wird ein Benziner-Mildhybrid-System mit 136 PS Leistung.
Málaga – Peugeot ist nicht vordergründig eine Marke, die man mit dröhnenden Motoren assoziiert. Obwohl die Löwen aus Sochaux das durchaus auch können. Oder konnten. Früher. Bei Rallyes, auf Lang- und Kurzstrecke, auch in der Formel I. Alles passé, selbst wenn heuer anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums der 24 Stunden von Le Mans ein Rennsportler, das Hybrid-Hypercar 9X8, auf den Kurs an der Sarthe geschickt worden war. Alles andere jedoch soll allerbaldigst Schweigen sein. Oder eher Flüstern und Säuseln. Wie es Elektroautos – angeblich – tun, Abroll- und Windgeräusche sowie Reifenkreischen beiseite gelassen. Das Ziel ist Vollelektrifizierung. Der Weg dorthin ist von unterschiedlichen Abstufungen des Unter-Strom-Setzens gesäumt. Diesel ist dabei bekanntlich aus dem Rennen.
Heuer sollen alle Baureihen durchelektrifiziert sein. Ab 2025 hat man vor, die gesamte Palette mindestens unter Teilstrom gesetzt zu haben. Wobei Diesel, unschwer zu erraten, keinerlei Rolle mehr spielt. Und für 2030 sind ausschließlich Vollelektriker angesagt.
Bis dahin werden bestehende Stromer aktualisiert. Wie der e-2008. Dessen optische Updates sind markant – neues Tagfahrlicht –, die technischen Anpassungen – Weiterentwicklung des i-Cockpits – treiben die Digitalisierung weiter voran. Sie sind der Rahmen für einen gestärkten Strom-Antriebsstrang. Wie bereits im DS 3 und im Jeep Avenger sowie im Opel Astra Electric hat das E-Aggregat jetzt 156 statt 136 PS. Kapazitiv aufgewertet ist die Batterie, von 50 auf 54 kWh. Die zwanzig PS höhere Power stehen dem Subkompakt-Crossover gut zur Munterkeit. Was jedoch wesentlicher ist: die Streckung der Reichweite, von 345 auf 406 Kilometer. Die zu erreichen, erscheint im rekuperations-trächtigen Stadt-Dorf-Landstraßen-Verkehr durchaus realistisch. Die Dauertempo-, sprich Autobahn-Prüfung steht aber noch aus.
Dass auch das nicht brüllend vonstattengehen wird, ist der Elektromotorisierung zuzuschreiben. Es agieren jedoch auch die aufgefrischten 508er – Plug-In-Hybride von 180 bis 360 PS – nicht schreiend, selbst die PSE-Varianten kreischen eher, als sie knurren.
Neu eingeführt werden, zur Erreichung der 2023er-Vorgaben, jetzt auch bei Peugeot (vielmehr Stellantis) Mildhybride. Auch hier geht’s um Benziner. Mit Strom-Assistenz auf Basis eines 48-Volt-Bordsystems versehen ist der 1,2-Liter-Dreizylinder. Das bringt dem kleinen Turbo gefühlt höhere Spritzigkeit ein. Grundsätzlich ist das System auf 100 oder 136 PS ausgelegt. Die stärkere Variante stand im Rahmen eines groß angelegten Elektro-Events unter dem Titel „e-Lion“ zum Ausprobieren parat. Auf einer Runde mit gemischtem Straßenkategorien-Programm verkostet wurde der 3008er.
Die sechs Mehr-PS wirken sich in spontaneren Ampelstarts aus, im urbanen Verkehrsgewühl durchaus willkommen. Im freien Landstraßengeläuf scheint die Mehrleistung weniger wirksam. Auf langen Autobahn-Steigungen geht dem kleinen Benziner, wie gehabt, doch ein wenig die Luft aus. Die Ernte des Mildhybrid-Systems soll jedoch in erster Linie eine Sprit- und Emissions-Ersparnis sein. Ersteres beziffert Peugeot mit bis zu fünfzehn Prozent, Zweiteres hält den CO2-Wert unter 130 Gramm pro Kilometer. Ohne Gebrüll. Aber auch nicht mit mehr Dreizylinder-Gekreisch als zuvor.
Stichwort Digitalisierung: Zum e-Lion-Programm gehörte auch ein erster Einblick in die nächste Entwicklungsstufe des für Peugeot typischen i-Cockpits. Das mutiert zu einer Cinemascope-Displaylandschaft, zu einem 21-Zoll-Panorama-Touchscreen hinter dem nach wie vor klein gehaltenen Volant. Durch die Menus touchen kann man sich künftig via i-Toggles und Lenkradtasten. Es wird im kommenden, neu gemachten 3008er debutieren. Der will ein Vollelektriker sein.