Absatz rückläufig: Teuerung bremst den Bierdurst der Österreicher
Die österreichischen Brauereien verkauften im ersten Halbjahr weniger. Bierkonsum bleibt aber im Spitzenfeld. Alkoholfrei wächst nur langsam.
Innsbruck, Wien – Der Durst der Österreicher nach Bier hat im ersten Halbjahr 2023 deutlich nachgelassen. Das zeigen die Rückmeldungen der rund 340 österreichischen Brauereien für den Absatz im ersten Halbjahr 2023, der tendenziell negativ ausfällt, wie der Verband der Brauereien Österreichs erklärt. Demnach war der Bier-Absatz im heurigen Jahr bisher um 5 Prozent rückläufig.
Allerdings war der Vergleichszeitraum ein besonders erfolgreicher für die Brauereien. Im ersten Halbjahr 2022 wurde um 7 Prozent mehr Bier getrunken als in dem von Corona-Lockdowns geprägten ersten Halbjahr 2021. Dieser Corona-Effekt nivelliere sich nun langsam wieder aus, heißt es vom Brauereiverband.
Aber auch die Teuerung verdirbt so manchem den Biergenuss. Heuer haben zahlreiche Brauereien die Bierpreise kräftig angehoben. Alleine die Brau Union, zu der Marken wie Gösser, Zipfer, Kaiser, Puntigamer gehören, erhöhte die Bierpreise im Jänner für Wirte im Schnitt um 9,5 Prozent.
Die höheren Gastropreise führen auch dazu, dass mehr Konsumenten auf den Lebensmittelhandel ausweichen. Nur ein gutes Fünftel der in Österreich produzierten Biere wird noch in der Gastronomie gezapft, drei Viertel gehen in den Einzelhandel. Bereits in der Corona-Zeit habe sich der Bierkonsum stärker in den privaten Bereich verlagert, diesen Effekt verstärke nun auch die fehlende Kaufkraft, heißt es von Seiten des Verbandes.
Auch die Tiroler Bierbrauerei Starkenberger spürt aktuell die Zurückhaltung der Konsumenten. Starkenberger-Chef Bernhard Prosser vermutet, dass auch das Fernweh der Tiroler nach drei Corona-Sommern eine Rolle spielt. „Letztes Jahr sind fast alle im eigenen Land geblieben, heuer fliegen wieder mehr Leute in den Urlaub ins Ausland“, sagt Prosser im Gespräch mit der TT. Den Rückgang im Vergleich zum Vorjahr will er nicht zu hoch bewerten. „Das letzte Jahr war ein außergewöhnlich gutes Jahr“, erklärt der Starkenberger-Chef. Zugleich spüre man beim Bierkonsum einen Trend zur Regionalität. Biere aus der Region würden stärker nachgefragt, auch die Tiroler Gerste sei ein Beispiel dafür, erklärt der Brauereiverband.
Ein weiterer Bier-Trend seien Bier-Getränke mit geringem oder ohne Alkoholgehalt. „Wir spüren eine starke Nachfrage nach saurem Radler, aber auch nach alkoholfreiem Bier, vor allem auf den Berghütten“, sagt Prosser. Der Anteil des alkoholfreien Gerstensaftes am Gesamtmarkt ist in Österreich mit rund 3 Prozent noch relativ gering, entwickle sich laut dem Brauereiverband aber dynamisch. Das liege unter anderem am bewussteren Umgang der Konsumenten mit Alkohol.
Dass Bier in Österreich aus der Mode kommt, ist nicht zu erwarten. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 98,7 Litern Bier liegt Österreich im weltweiten Vergleich auf Platz zwei hinter Tschechien.
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