"Ein teures Stück Pflaster": Boy Bleach diskutieren soziale Fragen
Aktivismus in der Kunst ist allgegenwärtig. Ob in der Literatur, der Musik oder der Malerei, seit jeher flechten Künstler:innen Protestbotschaften in ihr Schaffen ein. So wie jetzt auch Boy Bleach, eine Band aus dem Londoner East End. Die fünf Musiker haben keine Lust mehr auf die Politik in ihrem Land und machen das in ihren Liedern deutlich.
London – Boy Bleach nennen sich die fünf jungen Männer aus Großbritannien, die derzeit mit einer Mischung aus Alternative, Punk, Rock und Pop ihren ganz eigenen Sound kreieren. Die Band, bestehend aus zwei Brüderpaaren und einem Freund, erschien vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal auf der Bildfläche. Damals veröffentlichten sie ihre Debütsingle "Perplexed", ein Lied über Selbstzweifel, mit dem sich viele junge Menschen zweifellos identifizieren können. Seitdem erweitert sich ihr Repertoire kontinuierlich und wird zunehmend politisch. Denn es ist vor allem Protest, der sich durch ihre Werke zieht.
Ein teures Stück Pflaster
"It's 2020-something Britain, it's cold as hell with expensive heating" (Deutsch: "Es ist 2020-irgendwas in Großbritannien, es ist verdammt kalt und das Heizen ist teuer"), lautet eine Zeile aus ihrem Song "Daylight Robbery". Das Lied ist ein sarkastischer Kommentar zu der Wohnkostenkrise, die Großbritannien fest im Griff hält. Tatsächlich hatte die Insel, wie auch fast alle anderen Länder, in den vergangenen Wintern schwer mit den Heizkosten zu kämpfen.
Besonders in London, der Heimatstadt von Louis, James, Jimi, JJ und Nick, ist das Wohnen generell kaum leistbar. "Das ist ein teures Stück Pflaster", finden auch Boy Bleach in ihrem Lied.
Ein bisschen subtiler ist die Kritik in der Single "Dance No More". In diesem Song singen sie davon, keine Lust mehr aufs Tanzen zu haben – eben weil das Leben in der aktuellen Ökonomie keinen Spaß mehr macht. "Es ist wohl ein Zeichen der Zeit, dass wir nur zurecht kommen weil wir high sind", singen sie in dem Lied.
Mit der Kritik an Erwartungshaltungen, schwierigen Lebensumständen und überteuerten Wohnkosten sprechen sie wohl auch hierzulande vielen Menschen aus der Seele.
Hommage an die Heimat
Dass sie ihr Zuhause trotzdem lieben, zeigen die fünf in ihrer aktuellsten Single "East End Boys". Das ist nicht nur eine Anspielung auf den Hit "West End Girls" von den Pet Shop Boys, sondern auch eine Liebeserklärung an ihre Heimat, das East End. Dieser Teil der britischen Hauptstadt Londons gilt als historisch arme Gegend, wird inzwischen aber zunehmend gentrifiziert. Das bedeutet, dass wohlhabendere Menschen dort wirtschaftliches Potential erkennen, Immobilien aufkaufen und somit die Einkommensschwächeren, die vorher dort gelebt haben, verdrängen.
Genau darum geht es auch in dem Song. In einer doppeldeutigen Zeile implizieren sie einerseits, dass die Mädchen aus dem West End wegen ihnen ins East End kommen und spielen andererseits auf die Gentrifizierung an. Denn das West End steht traditionell für Wohlstand. "Dieser Song handelt von dem Zustand unseres Zuhauses", so die Band.
Proteste live
Der Aktivismus der Band hört nicht bei der Musik auf. Auch bei Live-Auftritten zeigen die fünf deutlich, wofür sie stehen. Sei es mit ihrer Kleidung, die von Statements geschmückt wird wie "Keep Abortions Safe and Legal" ("Bewahrt sichere und legale Abtreibungen") und "Tax The Rich" ("Besteuert die Reichen"), oder auch mit der Regenbogenflagge, die sie bei fast jedem ihrer Konzerte wehen lassen und so ein Zeichen der Solidarität mit der LGBTQ-Community setzen.
Apropos live: Im letzten Juni absolvierte die Band ihre erste kleine Tournee durch Europa, die sie nach Berlin, Hamburg und Prag führte. Die Wochen zuvor waren die fünf zusätzlich noch in vielen anderen europäischen Städten unterwegs, allerdings als Vorband für "The Band Camino". Auch in Österreich legten sie auf dieser Tour einen Stopp ein und bezeichneten den Auftritt in Wien als "großes Vergnügen".
Rockstars des 21. Jahrhunderts
Das britische Quintett hat weiterhin viel vor. Nächste Woche erscheint ihr Song "21st Century Rockstar", der schon auf ihrer Mini-Tournee im Juni für Begeisterung sorgte. Fans blicken der Veröffentlichung des Songs mit freudiger Erwartung entgegen und machen in den Sozialen Medien fleißig Werbung dafür.
"21st Century Rockstar" wird im September auch wieder live zu hören zu sein, wenn Boy Bleach ihre erste Tournee in ihrem Heimatland Großbritannien antreten.
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