Filmfest von Venedig

Oscar-Vorboten, Streik und Favoriten: Großes Schaulaufen ohne Stars am Lido

„Poor Things“ mit Emma Stone und Mark Ruffalo kam bei Publikum und Kritik sehr gut an.
© imago

„Poor Things“ begeisterte beim Festival von Venedig. Auch das Drama „Zielona granica“ ist im Preisrennen.

Venedig – Natürlich fehlen am Lido heuer die Stars aus Übersee. Ausgerechnet zum 80. Geburtstag der Filmfestspiele von Venedig verhindert der Streik der US-Schauspielgewerkschaft deren Anwesenheit. Für Gesprächsstoff und erste Oscar-Mutmaßungen sorgen die großen Abwesenden aber trotzdem: Emma Stone und Carey Mulligan etwa scheint die Nominierung für einen Academy Award sicher. Stone spielt die Hauptrolle in „Poor Things“, dem neuen Film von Yorgos Lanthimos – und bisherigen Liebling des heurigen Festivals. Lanthimos, der zuletzt „The Favourite“ (2018) in die Kinos brachte, erzählt in „Poor Things“ eine Variation des Frankenstein-Stoffs: Ein eigentümlicher Tüftler (Willem Defoe) setzt einer jungen Frau (Stone) das Gehirn eines Babys ein. Langsam lernt sie zu sprechen und sich zu bewegen. Stone zieht alle Register. Sie spielt groß und ganz klein, verstört und berührt. Nach der Premiere wurde „Poor Things“ vom Publikum mit zehnminütigen Standing Ovations bedacht.

Lang applaudiert wurde auch nach der Uraufführung von „Maestro“, Bradley Coopers Filmbiografie des Musikers Leonard Bernstein. Den Maestro gibt Cooper selbst. Seine Frau Felicia Montealegre wird von Carey Mulligan verkörpert – eindringlich und doch subtil.

Auch „Maestro“ mit Carey Mulligan und Bradley Cooper (links) und „Zielona granica“ überzeugten.
© imago, Biennale di Venezia

Einen der großen Filme des heurigen Jahrgangs brachte die polnische Regisseurin Agnieszka Holland nach Venedig. „Zielona granica“ handelt von Geflüchteten an der polnisch-belarussischen Grenze. Der Film dürfte neben „Poor Things“ gute Chancen auf den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Festivals, haben.

Beim Publikum kam auch der zum Teil in Tirol gedrehte deutsche Wettbewerbsbeitrag „Die Theorie von allem“ gut an – die internationale Filmkritik lobte den Thriller hingegen eher verhalten.

Durchgefallen ist hingegen „The Palace“, die neue Satire des inzwischen 90-jährigen Roman Polanski. Es geht um degenerierte Millionäre und Hunde mit Durchfall. „Entsetzlich“ befand der britische Guardian.

Das Filmfestival von Venedig geht am Samstag, 9. September, mit der Vergabe der Preise zu Ende. (APA, dpa, TT)

Verwandte Themen