Chronik Ausland

Bis zu 20.000 Tote nach Flutkatastrophe in Darna befürchtet

In der Küstenstadt Darna wurden ganze Straßenzüge ins Meer gespült
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In Libyen geht der Bürgermeister der vom Unwetter besonders schwer getroffenen Küstenstadt Darna davon aus, dass sich die Zahl der Toten auf 18.000 bis 20.000 erhöhen könnte. Dies ergebe sich auf Grundlage der Teile der Stadt, die zerstört worden seien, sagte Abdulmenam Al-Ghaithi am Mittwoch dem Sender al-Arabiya. Bisher gingen Regierungsvertreter von über 5.300 Toten in Darna aus.

Nach bisherigen Erkenntnissen ist oberhalb der Stadt nach sintflutartigen Regenfällen ein Damm gebrochen. Danach raste eine Flutwelle durch den 125.000 Einwohner zählenden Ort und spülte ganze Straßenzüge ins Meer.

Nach den katastrophalen Überschwemmungen in Libyen herrscht unterdessen weiter Ausnahmezustand. Allein in Darna sind mehr als 30.000 Menschen obdachlos geworden, Tausende in anderen Städten, wie die Internationalen Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Die Hilfsorganisation Care Libyen teilte mit, bei einem Wasserstand von bis zu zehn Metern sei das Gebiet um Darna völlig zerstört sowie die Kommunikations- und Stromnetze lahmgelegt worden. Der Bürgermeister in Shahat sprach von rund 20.000 Quadratkilometern überfluteter Gebiete. Die betroffenen Regionen wurden zu Katastrophengebieten erklärt.

Ein Sprecher des UN-Generalsekretärs António Guterres in New York sagte, man arbeite mit lokalen, nationalen und internationalen Partnern zusammen, "um den Menschen in den betroffenen Gebieten dringend benötigte humanitäre Hilfe zukommen zu lassen". Ein UN-Team sei an Ort und Stelle. Man kooperiere mit den Behörden, um Bedarf zu ermitteln und laufende Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Neben Darna waren auch andere Städte wie Al-Baida, Al-Marj, Susa und Shahat betroffen. Papst Franziskus hat zum Abschluss der Generalaudienz auf dem Petersplatz der Menschen in Libyen und Marokko gedacht.

Derzeit kämpfen zwei verfeindete Regierungen in Libyen - eine mit Sitz im Osten, die andere mit Sitz im Westen - um die Macht. Alle diplomatischen Bemühungen, den bis heute andauernden Bürgerkrieg friedlich beizulegen, scheiterten bisher. Zahlreiche Konfliktparteien ringen um Einfluss, nachdem Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 gewaltsam gestürzt worden war.

Laut Libyen-Experte Wolfram Lacher von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ist die Katastrophe in dem Land auch mit der politischen Situation verknüpft: "Der Grund für das Ausmaß der Katastrophe ist der Bruch dieser zwei Dämme oberhalb von Darna." Jahrelang sei dort nicht ausreichend in die Infrastruktur investiert worden. Der frühere libysche Machthaber Gaddafi habe "die Stadt dafür bestraft, dass in ihr Aufständische die Waffen ergriffen hatten". Zwar sei in den vergangenen Jahren immer etwas Geld geflossen, "aber das ging unter anderem in die Taschen von Milizenführern und Kriegsprofiteuren".

Das Österreichische Rote Kreuz gibt nun 150.000 Euro als Soforthilfe für die Krisenregionen in Nordafrika frei. "Das ist eine erste Maßnahme, mit der wir einen Beitrag dazu leisten, dass die von der Katastrophe betroffenen Menschen mit dringend benötigten Hilfsmitteln wie etwa Decken oder warmen Mahlzeiten versorgt werden können", erklärte Rotkreuz-Generalsekretär Michael Opriesnig am Mittwoch.

Hilfsgüter aus den Golfstaaten Katar und Kuwait sind eingetroffen. Eine Maschine der Luftwaffe aus Kuwait und die ersten beiden Flugzeuge aus dem Golfemirat Katar landeten auf einem Flughafen in der östlichen Stadt Benghazi. An Bord der drei Maschinen waren demnach mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter, darunter etwa Stromgeneratoren, Zelte, Lebensmittel und Medikamente.

Die EU hat erste Hilfsgüter aus Deutschland, Rumänien und Finnland in die libyschen Überschwemmungsgebiete gesandt. Nach dem Hilfeersuchen der libyschen Behörden habe die EU ihren Katastrophenschutzmechanismus aktiviert, teilte die Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Die von den drei EU-Mitgliedern zur Verfügung gestellten "Zelte, Feldbetten und Decken, 80 Generatoren, Lebensmittel sowie Feldlazarette und Wassertanks" seien auf dem Weg nach Darna.

Libyen hat seine Öl-Exporte wieder aufgenommen. Die staatliche Ölgesellschaft (NOC) berichtete am Mittwoch ein Produktionsvolumen von rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Die Exporte waren in dem ölreichen Land am Sonntag unterbrochen worden.

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