Chronik Österreich

Olivenanbau könnte in Österreich Zukunft haben

Ein 2022 gepflanzter Olivenhain in Groißenbrunn
© APA

Olivenbäume in Österreich - was bisher als Topfpflanze so manche Terrasse zierte, könnte in Zukunft durchaus ein Standbein der heimischen Landwirtschaft werden. Der Wiener Verein AgroRebels befasst sich seit einigen Jahren wissenschaftlich damit, ob Olivenanbau bei uns ertragreich betrieben werden kann. Fazit: Ja, es geht. In Kooperation mit der Firma Pannonia Palmen von Markus Fink will man der Olive Boden und den Bauern eine neue Perspektive verschaffen.

Vor einigen Jahren stellte sich der Wiener Verein "AgroRebels" die Frage, ob man die Olive in Österreich kultivieren könnte. Ein Forschungsprojekt wurde eingereicht und bewilligt. Ziel war, "eine Art Proof of Concept, ob die Olive in Österreich so kultivierbar ist, dass sie auch tatsächlich trägt", schildert Fink, ob sie so viel Ertrag bringen könne, dass sich die Investition für den Bauern lohne.

"Womit ich zu der Zeit Erfahrung hatte, war die Olive als Zierpflanze", sagt er, auch beschäftigte er sich damals bereits mit der Kultivierung von Palmen im Osten Österreichs. In seinem ursprünglichen Brotberuf als technischer Physiker war er auf Projekte gestoßen, die zum Ziel hatten, Gemüse auf der ISS zu kultivieren. Sein Interesse war also geweckt und allmählich wurden die Pflanzen von einem Hobby zum zweiten Standbein und schließlich immer mehr zum Hauptberuf.

"Wir haben dann einige Sorten herausspezifizieren können, die sehr, sehr vielversprechend waren. In sechs verschiedenen Bundesländern Österreichs haben wir es probiert. Der einzige Totalausfall war damals in Kärnten, weil dort ein sehr schneereicher Winter war, alle anderen Lagen sind gegangen." Mittlerweile stehe fest: "Im kompletten Osten Österreichs kann man sagen, wenn man eine gute Hanglage hat und den Boden bearbeitet, kennen wir Sorten, die funktionieren." Ein dem Klimawandel geschuldetes Konzept war geboren - nicht umsonst steht auf der Website der AgroRebels zu lesen: "powered by climate change".

Man wagte sich an die Öffentlichkeit und ging auf die Bauern zu. Das Ganze erfolgt in Kooperation zwischen dem Verein und Finks Firma. Die AgroRebels beraten die Bauern. Ein allfälliger Kauf von Bäumen erfolgt dann über Finks Pannonia Palmen. Interesse zeigen vor allem Landwirte im Osten Niederösterreichs, rund um Wien, im Burgenland und in der Südsteiermark. Derzeit habe man rund 30 Partner-Landwirte, die die Olive meist auf bisherigen Brachflächen anbauen, pro Jahr werden rund zehn dazugewonnen. Die meisten Bäume stehen derzeit im Marchfeld. Einige kleinere Bauern würden es aus Interesse und aus Überzeugung machen, "sie fangen mit plus minus 50 Bäumen an", es gebe aber auch größere. "Die, die wirklich Geld verdienen wollen und Flächen und Mittel haben, beginnen mit 300 bis 500 Bäumen und stocken auf." Nach sieben bis neun Jahren würden die Bäume tragen, teils auch früher.

Für Olivenöl oder eingelegte Oliven aus Österreich werde es definitiv einen Markt geben, erwartet Fink. "Aber es wird sicher nicht das billigste Öl sein", es sei ein Nischenprodukt, das mit dem Label "aus Österreich und bio und kurze Transportwege" überzeugen müsse und werde. Ob es Überlegungen zu weiteren alternativen Produkten gebe? Feige sei mittlerweile recht beliebt, auch beim Granatapfel sieht er Potenzial.

"Das Alte funktioniert nicht mehr und etwas Neues gibt es noch nicht" - das Zitat eines Bauern aus dem zunehmend mit Trockenheit kämpfenden Osten Österreichs ist Markus Fink lange im Hinterkopf geblieben, wie er erzählt. Am Donnerstagabend wird er im Rahmen der "Österreichischen Konsumdialoge: Lebensmittel" in Steyr u.a. mit Klimaaktivistin Lena Schilling und Martin Bäck von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich über die Zukunft der Ernährung diskutieren und darüber, ob es vielleicht doch schon etwas Neues gibt.

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