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Dutzende Tote bei Explosion von Tanklager in Bergkarabach

Ursache noch unklar
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Bei der Explosion eines Treibstofflagers in der Kaukasus-Region Bergkarabach sind nach offiziellen Meldungen zufolge 68 Menschen ums Leben gekommen, weitere 105 würden vermisst und fast 300 seien verletzt worden. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte am Dienstagabend das Büro des Ombudsmanns für Menschenrechte der Region. Die Ursache der Explosion war weiter unklar.

Die Nachrichtenagentur Interfax Aserbaidschan hatte sich zuvor auf das armenische Gesundheitsministerium bezogen und von 125 Toten gesprochen.

Das Gebiet war in der vergangenen Woche von Aserbaidschan angegriffen und besiegt worden. Auf Fotos in sozialen Netzwerken waren große Flammen zu sehen. Die Politikerin Metakse Akopjan erklärte, an dem Lager seien zum Zeitpunkt des Unglücks viele Menschen für Benzin angestanden, weil sie mit Autos vor den Aserbaidschanern nach Armenien fliehen wollten.

Das Menschenrechtsbüro der Region appellierte an die internationale Gemeinschaft: Es sei dringend notwendig, insbesondere schwer verletzte Menschen zur Behandlung auszufliegen. "Die medizinischen Kapazitäten Berg-Karabachs sind nicht ausreichend, um die Leben der Menschen zu retten", hieß es in der Mitteilung auf Twitter (X). Die humanitäre Lage in Berg-Karabach, das seit langem zwischen den beiden verfeindeten Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan umkämpft ist, ist ohnehin katastrophal. Seit Monaten blockieren Aserbaidschaner die einzige armenische Zufahrtsstraße, weshalb Lebensmittel, Medikamente und Benzin in der Region knapp sind.

Aus Aserbaidschan hieß es, man sei zur Aufnahme von Opfern bereit. Krankenhäuser mehrerer Landkreise seien für die Versorgung einer großen Anzahl an Patienten aus Berg-Karabach vorbereitet worden, teilte der aserbaidschanische Präsidentenberater, Hikmet Hajiyev, am Montag laut Medienberichten mit.

Am vergangenen Dienstag startete das autoritär geführte Aserbaidschan eine Militäroperation zur Eroberung Berg-Karabachs. Nur einen Tag später ergaben sich die unterlegenen Karabach-Armenier. Während der kurzen Kämpfe starben armenischen Angaben zufolge mehr als 200 Menschen, mehr als 400 weitere wurden demnach verletzt. Die Zehntausenden armenischen Zivilisten in der Region fürchten nun, vertrieben oder von den neuen aserbaidschanischen Machthabern unterdrückt zu werden.

Armenienexperte Herbert Maurer sagte Montagabend in der ZiB 3 des ORF, dass der Konflikt eine "lange Vorgeschichte" habe. "Im Schatten des Ukraine-Desasters ist es einfacher, kleinere Konflikte zu bereinigen." Auch deshalb, weil die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit nicht so groß sei, meinte der Schriftsteller, der selbst in Armenien gelebt hat. Armenien sei immer eine "ur-europäische Region" gewesen, erklärte Maurer. Die Armenier seien "nie aggressiv oder expansiv" gewesen, sie wollten nur ihre Kultur und Identität leben, die immer eine europäische gewesen sei, so Maurer in der ORF-Sendung weiter.

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