Kunden kaufen mehr Eigenmarken

Inflation in Frankreich: „Manche Leute essen und duschen weniger“

Die hohen Preise sorgen auch in Frankreich für immer mehr Armut.
© APA/AFP/MEHDI FEDOUACH

Die Franzosen greifen angesichts gestiegener Preise weniger zu Markenprodukten und kaufen jetzt vermehrt billigere Waren. Gespart wird unter anderem bei Drogerieartikeln, Nahrungsmitteln oder Waschpulver.

London – Die steigenden Preise für Markenartikel verändern das Kaufverhalten der französischen Verbraucher. Kunden kaufen weniger Körperpflege- und Haushaltsprodukte wie aus Daten der Marktforscher NielsenIQ hervorgeht. Dabei verzichten sie etwa auf Tampons und Waschmittel. Wo es gute Alternativen gebe, sei eine deutliche Verlagerung hin zu Eigenmarken der Handelsketten zu beobachten, sagte Anton Delbarre, Chefökonom der Einzelhandelsgruppe Eurocommerce.

"Man sieht auch, dass manche Leute tatsächlich weniger essen, weniger duschen, das Haus weniger putzen oder etwas weniger Spülmittel verwenden." Dies liege zum Teil an der gesunkenen Kaufkraft, aber auch daran, dass die Gehälter hinter der Inflation zurückblieben. "Sobald die Löhne und Gehälter die Inflationsrate erreicht haben, wird dieser Effekt wahrscheinlich nachlassen, aber ein Teil davon wird bleiben, weil die Menschen neue Gewohnheiten entwickeln."

Bekannte Marken wie das Waschmittel Ariel des US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble oder die Seifen von Dove des europäischen Unilever-Konzerns haben jahrelang den französischen Markt beherrscht. Nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Der Absatz von Eigenmarken im Bereich Körperpflege hat bis Mitte September im Jahresvergleich deutlich zugelegt, während die Nachfrage bei den großen Marken zurückgegangen ist. Noch deutlicher zeigt sich das veränderte Verbraucherverhalten bei einzelnen Produkten. Die verkaufte Menge an Waschmitteln etwa sank bei Markenprodukten um zehn Prozent, während die Eigenmarken um über ein Viertel zulegten. Der Absatz von Duschgels ging bei den großen Marken um zehn Prozent zurück, bei Eigenmarken kletterte er um 14 Prozent. Auch bei Nudeln griffen die Franzosen lieber zu den Handelsmarken.

Die veränderten Kaufgewohnheiten könnten in Frankreich die seit Monaten anhaltende Debatte zwischen Einzelhändlern, Politikern und Konsumgüterherstellern über die Lebensmittelpreise anheizen. Am Mittwoch will sich die Regierung von Präsident Emmanuel Macron in ihrem Haushalt mit der Lebensmittelinflation befassen. Die Regierung hat die jährlichen Preisverhandlungen zwischen Supermarktketten und Lebensmittelriesen wegen der hohen Inflation auf September vorgezogen und will bis Mitte Jänner Preissenkungen durchsetzen. Anders als in Deutschland mischt sich die Regierung des Nachbarlandes aktiv in die Preisgestaltung ein.

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