Chronik Ausland

Etwa 100 Tote bei Hochzeitsfeier im Irak

Zahlreiche Tote und Verletzte
© APA

Bei einem Brand bei einer Hochzeitsfeier im Irak sind etwa 100 Menschen ums Leben gekommen. Der Gouverneur der Provinz Ninive, Nadschim al-Dschaburi, sprach nach der Katastrophe im Ort Al-Hamdanija in der Nacht auf Mittwoch, von 114 Toten und 200 Verletzten. Das irakische Innenministerium nannte am Mittwoch niedrigere Opferzahlen: 93 Menschen seien gestorben und mehr als 100 verletzt worden. Neun Menschen schwebten in Lebensgefahr.

Der Hochzeitsabend wurde zur Tragödie, als Feuerwerkskörper leicht entflammbares Material in der Halle entzündeten. Videos in sozialen Netzwerken zeigten Gäste noch kurz vor dem Brand beim Tanzen und plaudernd an Tischen. Als jemand laut ersten Erkenntnissen des Innenministeriums Feuerwerk zündete, fielen brennende Teile von der Decke.

Hochzeitsgäste sprangen von Tischen auf und versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, wie in einem Video zu sehen ist. Das Hochzeitspaar steht wie unter Schock auf der Tanzfläche, wo auch eine Live-Band spielte.

Die Cousine des Bräutigams beschrieb die Momente gegenüber dem örtlichen Fernsehsender Al-Mauslija vom Krankenbett aus. "Sie (das Paar) tanzten langsam, während Kerzen warmes Licht abgaben", sagte die Frau, gehüllt in eine Decke, während ihre Schminke und glitzerndes Ballkleid an die Nacht erinnerten. "Als wir sahen, dass die Decke brannte, sind wir alle davongelaufen." Augenzeugen sagten später, das Brautpaar habe überlebt.

"Der Brand führte zum teilweisen Einsturz der Halle, weil hoch entzündbare, billige Baustoffe genutzt wurden, die bei einem Feuer innerhalb von Minuten kollabieren", teilte die Zivilschutzbehörde mit. Die Verwendung der Materialien habe gegen Sicherheitsauflagen verstoßen, zudem habe die Halle kein vorgeschriebenes Alarmsystem gehabt. Auch laut Innenministerium führte die Kombination aus Feuerwerk, leicht brennbaren Baustoffen und Verstößen gegen Sicherheitsauflagen zu dem Notfall.

Rettungskräfte suchten unter Schutt und Trümmern der ausgebrannten Halle nach Überlebenden. Scharenweise Menschen sammelten sich nachts vor dem Unglücksort. Örtliche Fernsehsender zeigten Bilder von mit Tüchern bedeckten Leichen und Krankenwagen.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Saif al-Badr, sagte am frühen Morgen, die Lage sei unter Kontrolle. Die Abgeordnete Ichlas al-Dulaimi sprach im Interview mit dem TV-Sender Rudaw von einem "großen Desaster". Gouverneur Al-Dschaburi ordnete in der Provinz eine einwöchige Trauer an und ließ die aktuell anstehenden Feiern zu Ehren des Propheten Mohammed vorerst absagen, wie die Staatsagentur INA berichtete.

Der Ort Al-Hamdanija liegt nahe Mossul im Nordwesten des Iraks und etwa fünf Autostunden von der Hauptstadt Bagdad entfernt. Warum beim Bau der Halle hoch entzündliches Material zum Einsatz kam, blieb zunächst unklar. Korruption und Misswirtschaft im Irak betreffen aber auch den Bausektor - mit Folgen. 2021 kamen bei zwei schweren Bränden in Krankenhäusern mehr als 170 Menschen ums Leben.

Laut Innenministerium wurden neun Arbeiter, die am Bau der Halle beteiligt waren, festgenommen. Zudem wurden Haftbefehle gegen vier Besitzer des Veranstaltungsorts erlassen. Ein Untersuchungsausschuss soll die genauen Umstände des Unglücks klären. Hinweise auf einen möglichen kriminellen Hintergrund gab es zunächst nicht.

Iraks Ministerpräsident Mohammed al-Sudani wies das Innen- und das Gesundheitsministerium an, den Betroffenen alle mögliche Hilfe zur Verfügung zu stellen. Zudem rief er eine dreitägige landesweite Trauer aus. Präsident Abdul Latif Raschid bezeichnete den Vorfall als "schmerzhafte Tragödie". Die UN-Unterstützungsmission im Irak zeigte sich "schockiert und schmerzerfüllt".

"Wir sind zutiefst bestürzt über den tragischen Brand bei einer Hochzeit in #Hamadaniyah, bei dem Hunderte von Menschen getötet und verletzt wurden", hieß es aus dem österreichischen Außenministerium. "Unsere tief empfundene Anteilnahme gilt den Hinterbliebenen und den Menschen in #Iraq. Wir wünschen allen Verletzten eine baldige Genesung", wurde auf X (vormals Twitter) geschrieben.

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