Initiativen für mehr Bewusstsein

1,2 Millionen Tonnen in Österreich: Ein Drittel der Lebensmittel für den Müll

Hunderttausende Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr im Müll.
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Koch-Workshops, Großküchen-Kampagnen, Schul-Wettbewerbe und andere Initiativen sollen die Tiroler für das Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisieren. Aber auch am Acker und im Handel gebe es viel zu tun, wird betont.

Innsbruck ‒ Das Problem ist altbekannt. Jedes Jahr landen tonnenweise Lebensmittel im Müll oder bleiben nach der Ernte ungenutzt auf den Feldern liegen. Ein Drittel der produzierten Lebensmittel wird nicht gegessen, sondern weggeworfen. Jeder Tiroler verschwende pro Jahr 80 Kilogramm an Lebensmitteln bzw. eine volle 120-Liter-Mülltonne, rechnete Umwelt-Landesrat René Zumtobel (SPÖ) bei einem Pressegespräch in der Tourismus-Einrichtung Villa Blanka in Innsbruck vor. Bis 2030 wolle man dies auf die Hälfte reduzieren, so Zumtobel.

Eine Bewusstseinskampagne soll auch heuer wieder zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung beitragen. Rund um den Internationalen Tag der Lebensmittelverschwendung am Freitag koordiniert die österreichweite Initiative „United Against Waste“ noch bis 1. Oktober Aktionstage zum Thema Lebensmittelabfallvermeidung in der Außer-Haus-Verpflegung - etwa mit Workshops, Kochshows um die Resteverwertung, „Müllfestl“, Infos zu Haltbarkeitsregeln, Verwertungsmöglichkeiten von Gemüse sowie Führungen auf Äckern.

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Einige Programmpunkte laufen bereits. Zudem sollen in bundesweit 187 Großküchen das Personal, die Gäste bzw. Patienten mit einer Info-Kampagne sensibilisiert werden. In Schulen läuft ein Wettbewerb um die besten Müllvermeidungs-Projekte. Mit an Bord der Initiative sind in Tirol neben „United Against Waste“ auch das Land, das Agrarmarketing Tirol, die Abfallwirtschaft und das Wifi.

1,2 Millionen Tonnen landen im Müll

In Österreich wird der Lebensmittelabfall entlang der gesamten Wertschöpfungskette jährlich auf 1,2 Millionen Tonnen geschätzt. Als größter Verursacher werden die Haushalte mit 741.500 Tonnen (davon 418.000 Tonnen vermeidbar) ausgemacht. In der Außer-Haus-Verpflegung - also in Krankenhäusern, Gastronomie, Schulen, Pflegeheimen - sind es rund 178.000 Tonnen (davon 134.000 vermeidbar).

Nicht in der Lebensmittel-Müllbilanz erfasst werden die nicht verwerteten Lebensmittel, die auf den Äckern liegen bleiben. In Tirol sind es laut Alfred Egger, Geschäftsführer der ATM Abfallwirtschaft Tirol-Mitte, jedes Jahr rund 20.000 Tonnen. Ein Grund sei, dass die Bauern mehr als nötig produzieren müssen, um die Abnahmevorgaben des Handels einhalten zu können. „Bauern produzieren 120 Prozent, damit sie die 100 Prozent der Lieferungen garantieren können“, schildert Egger.

Was sagt der Handel?

Der Handel werde beim Thema Lebensmittelverschwendung viel gescholten, allerdings oft zu Unrecht, meint Ute Ammering vom Agrarmarketing Tirol. Die konkrete Müllbilanz würde die Schelte aber nur zum Teil rechtfertigen. Auf mehrfache Nachfrage räumt Ammering allerdings ein, dass Werbestrategien und Marketingaktionen des Handels auch darauf abzielen, den Menschen mehr Lebensmittel zu verkaufen, als sie eigentlich benötigen.

Was auch zur Folge hat, dass die unnötig zu viel verkauften Lebensmittel im Haushaltsmüll landen und damit nicht in der Müllbilanz des Handels aufscheinen. Ammering wünscht sich allerdings eine gesetzliche Verpflichtung für den Handel, die nicht verwendeten Lebensmittel weiterzugeben, wie es etwa in Frankreich der Fall sei. Im Handel gebe es jedenfalls „noch viel zu tun“, betonte auch Zumtobel.

Der Tiroler Lebensmittelhandel verweist u.a. auf die Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung wie etwa der Kampagne Qualität länger genießen. Über Werbekampagnen werde informiert, wie Fehleinkäufe vermieden, Lebensmittel richtig gelagert und möglichst lange haltbar gemacht und verwertet werden können und Lebensmittelabfälle bestmöglich vermieden werden können.

"In Österreich ist der Handel steuer- und lebensmittelrechtlich gezwungen, bei der Weitergabe von Lebensmitteln in einem Graubereich zu agieren. So müssen Lebensmittel vor der Weitergabe als Verderb deklariert werden, um die Vorsteuer anwenden zu können. Bedingung dafür wäre allerdings, dass die Waren nicht mehr verkäuflich/verkehrstauglich sind. Damit dürften sie aber auch nicht mehr über Sozialeinrichtungen in Verkehr gebracht werden. Dieser rechtliche Graubereich muss klarer geregelt werden", heißt es weiter. (mas, TT.com)

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