Bloéb-Inszenierung

Kraftvolles Kasperltheater: „Il Barbiere di Siviglia“ in Salzburg

Sie blödeln, posieren, singen und schnaufen ganz wunderbar: das Ensemble von „Il Barbiere di Siviglia“.
© SLT/Tobias Witzgall

Gregor Bloéb inszeniert Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ am Salzburger Landestheater.

Salzburg – Gregor Bloéb nimmt Rossini beim Wort. Dessen frühes Meisterstück „Il Barbiere di Siviglia“ trägt den selten mitzitierten Untertitel „L’inutile precauzione“, die „vergebliche Vorsicht“. Davon handelt die Opera buffa auch: vom verkopften Vorhaben eines blaublütigen Buben, seine Angebetete zu ehelichen. Dass sich dieses Ziel auch geradliniger erreichen ließe, ist die finale Pointe. Als Regisseur nimmt Bloéb den direkten Weg. Am Salzburger Landestheater, wo seine Neuinszenierung des „Barbiere“ die heurige Spielzeit eröffnet, verzichtet er auf falsche Vorsicht. Kein konzeptioneller Überbau kämpft um Bedeutung, keine Deutung will hier Subtext sichtbar machen. Opera buffa heißt komische Oper: Komödie, Klamotte, Kasperltheater. Die Guten sind gut (und tollpatschig), die Verliebten verliebt (und tollpatschig) und die Bösen sind noch ein bisschen tollpatschiger.

Szenisch deuten Bloéb und das Ausstattungsduo Laura Malmberger und Paul Sturminger Comedia dell’Arte an, die Bühne bleibt zeit- wie ortlos weiß, die Bühnenmechanik wird sichtbar. Der Mond lässt sich hochziehen. Wie Wind und Donner gemacht werden, erfährt man auch: In einer eindrücklichen Szene steht Rosina, die eingangs erwähnte Angebetete (Katie Coventry), allein im Regen. Blitze blitzen, Donner donnert. Für einen Augenblick wähnt man sich wieder in Bloébs erstem, gewittergestähltem Telfer Theatersommer.

Musikalisch ist der Salzburger „Barbiere“ eine feine Sache. Carlo Benedetto Cimento, neuer erster Kapellmeister am Haus, treibt das Mozarteumorchester in Höllentempo durch die Partitur – und die DarstellerInnen bisweilen übermütig vor sich her. Denen hat Bloéb allen unnötigen Ernst an der eigenen Kunst ausgetrieben: Übermütig verlieren sie sich in den Intrigen, den echten und den eingebildeten, blödeln, posieren, singen und schnaufen ganz wunderbar. Theodore Brown, der den Graf Almaviva spielt, hat zuletzt schon in der Innsbrucker „Italiana in Algeri“ bewiesen, dass ihm Rossinis Auf und Ab, das irrwitzige Hin und Her liegt. Auch George Humphreys als titelgebender Barbier ist stimmlich wie darstellerisch Situationselastiker und Daniele Macciantelli darf als Bartolo böse schauen und prächtig brummen. Kraftvoll ist das Ganze, direkt, kunstvoll ungekünstelt – und sehr komisch. (jole)

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