Tierärztin und Polizist

Dieselben Rollenbilder wie vor vielen Jahren

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Die Berufswünsche kleiner Kinder verändern sich kaum. Viele davon sind wenig zukunftsweisend.

Verbrecher jagen und Tiere verarzten. Fragt man Kindergartenkinder oder Erstklässler nach ihrem beruflichen Ziel, sind die Antworten in allen Erhebungen sehr ähnlich und stark konzentriert. Laut einer Umfrage der Marktforschungsplattform Appinio unter 1800 Kindern und Jugendlichen im deutschsprachigen Raum haben 22 %der Mädchen Tierärztin als ersten Berufswunsch genannt, gefolgt von Lehrerin (9 %), Ärztin (8 %), Polizistin (6 %) und Prinzessin (4 %). Knapp jeder fünfte Bub (19 %) wollte Polizist werden, jeder zehnte Pilot. Weitere beliebte Berufe waren Feuerwehrmann (6 %), Fußballer (6 %) und Astronaut (4 %).

Knapp drei Viertel der Vorschüler (73 %) konnten bereits einen konkreten Berufswunsch äußern. Zum Ende der Schulpflicht hatten hingegen noch 63 Prozent einen Karriereplan vor Augen.

Über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten hat die Pädagogik-Professorin Astrid Kaiser an der Universität Oldenburg die Berufswünsche von Kindern in Deutschland, Chile und Japan erhoben. Diese ähneln sich in allen Kulturkreisen und veränderten sich auch über die Jahre nicht. Ihr Fazit: "Bei den Jungs zählt Kraft, Macht und Technikbeherrschung, Mädchen sehen sich eher in helfenden Berufen oder in solchen, die mit Ästhetik in Verbindung stehen." Selbst beim Arztberuf, der sowohl für Mädchen als auch Buben attraktiv erscheint, sind die Motive unterschiedlich: "Mädchen wollen heilen und pflegen, Jungs operieren", sagt Kaiser.

Die scharfe Trennlinie nach Geschlecht zeigt sich auch bei den Lehrberufen. Die beliebtesten veränderten sich im Laufe der Jahre kaum. Bei den Mädchen sind laut der Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer Österreich die Lehre zur Einzelhandelskauffrau (21,8 %), Bürokauffrau (9,7 %) und Friseurin/Stylistin (6,7 %) am beliebtesten. Burschen entschieden sich überwiegend für die Ausbildung zum Metalltechniker (12,7 %), Elektrotechniker (12,5 %) und Kfz-Techniker (9,8 %).

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung warnte nach ihrer Studie auf Basis der PI-SA-Studie mit ähnlichen Resultaten, dass die Berufswünsche der jungen Menschen zu wenig zukunftsweisend seien. 39 %der genannten Berufe drohen durch Automatisierung wegzufallen. Kritisiert wurde auch die starke Konzentration der Berufswege: Zwei Drittel der Jugendlichen in den Industriestaaten wählen einen der Top-10-Berufe.

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