Kultur Österreich

Ötztaler Museen rufen zur Abgabe von NS-Devotionalien auf

Öffentliches Symposium im Universitätszentrum
© APA

Die Ötztaler Museen und die Universität Innsbruck rufen im Rahmen eines auf drei Jahre angelegten Forschungsprojektes die Bevölkerung zur Abgabe von NS-Devotionalien auf. Mit diesem Sammelaufruf - sowie mit einer Tagung, einem Sammelband und Ausstellungen - will man die NS-Vergangenheit des Ötztals sichtbar machen. "Das Symposium ist dabei Kick-off für den Sammelaufruf", sagte Projektkoordinatorin Edith Hessenberger im APA-Gespräch.

Bei dem bewusst provokant formulierten Aufruf, in dem von "Nazi-Zeug" die Rede ist und der dadurch eine breite Streuung in der Öffentlichkeit erfahren soll, gehe es etwa "um Fotos aus der Schulzeit zwischen 1938-1945, Ariernachweise, Tagebücher und Briefe oder Parte-Zetteln", erklärte Hessenberger, die auch als Leiterin der Ötztaler Museen fungiert: "Wir möchten die Ötztaler Bevölkerung damit möglichst eng in den weiteren Prozess und Verlauf des Projektes einbinden."

Das sei überaus wichtig, zumal das Thema ja auch sehr stark mit Familiengeschichten im Tal verknüpft sei, erklärte Verena Sauermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes, gegenüber der APA. "Ich sehe in der Nähe und Unmittelbarkeit eine Chance, weil sich dadurch persönliche Anknüpfungspunkte und eine emotionale Bindung ergeben", hielt sie fest.

Diesbezüglich vollziehe man jedenfalls aktuell eine Art Schwenk. "Beginnend mit der öffentlichen Tagung und dem Sammelaufruf öffnen wir das Projekt", strich Sauermann heraus. Bisher seien die Forschenden auf die Bevölkerung zugegangen und hätten beispielsweise mit Zeitzeugen gesprochen, jetzt rufe man dazu auf, "dass die Bevölkerung auf uns zugeht", erläuterte Sauermann.

Dadurch erwarte man sich einen dynamischen Diskurs, der auch den weiteren Forschungsverlauf und damit auch das museale Endergebnis beeinflusse. Im Sommer 2025 soll das Projekt, an dem 25 Wissenschafterinnen und Wissenschafter beteiligt sind, jedenfalls in umfassende Ausstellungen und einen umfangreichen Sammelband gipfeln.

Dass das Thema für die Bevölkerung noch immer heikel sein kann, betonte Dirk Rupnow vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. "Auch im Ötztal gab es, wie auch anderswo in Tirol, den Vorbehalt, dass man nicht über dieses Thema reden könne", erklärte der Wissenschafter. Das sei grundsätzlich verständlich: "Es sind ja zum Teil noch immer dieselben Familien vor Ort." Man müsse aber die Aufarbeitung trotzdem vorantreiben, alleine schon aus wissenschaftlicher Notwendigkeit: "Es gibt noch immer viele geschichtliche Lücken, die geschlossen werden müssen."

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