Aus Israel Evakuierte über Überfall der Hamas: „Plötzlich waren Raketen zu hören“
Evakuierte Österreicherinnen und Österreicher berichten von Raketenangriffen und Schutzbunkern. Israels Bodenoffensive im Gazastreifen rückt näher, die Not der dortigen Bevölkerung wird größer.
Wien – „Ich werde meine Mama umarmen. Ich bin froh, dass ich in Sicherheit bin.“ Marlene Wassermann ist einer von 176 Passagieren, die gestern aus Israel evakuiert wurden. Emotionale Szenen spielten sich am Wiener Flughafen ab, Familien, Verwandte und Freunde fielen sich in die Arme. Denn erlebt hatten die Evakuierten Schreckliches.
Wassermann schildert den Morgen des terroristischen Überfalls der Hamas auf Israel. Die Studentin aus Wien war in Tel Aviv. „Wir haben geschlafen. Um fünf oder halb sechs haben wir die ersten Raketen gehört, Alarm ist losgegangen. Dann sind wir alle in den Bunker gerannt. Das war ein Schock. Dann ist alles von vorne losgegangen, es hat nicht aufgehört.“ Die 22-Jährige berichtet von teils chaotischen Zuständen, etwa am Flughafen Tel Aviv. Ihr Vater befinde sich noch in Israel. „Ja, natürlich“ mache sie sich sorgen um ihn.
📽️ Video | Flug aus Tel Aviv in Wien gelandet
Auch Karin Wagner ist erleichtert, zuhause zu sein. Die Situation sei „sehr emotional“ gewesen, sagt die Oberösterreicherin. „Ich habe mich nirgends mehr sicher gefühlt in Israel. Ich bin froh, dass ich wieder da bin.“ Für die 30-Jährige gab es eine besonders schöne Überraschung am Flughafen. Empfangen haben sie ihre Schwester, ihr Schwager und ihr neugeborener Neffe. „Ich sehe ihn zum ersten mal“, sagt Wagner glücklich und erleichtert.
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Gewaltspirale in Nahost: Die aktuellen Entwicklungen im Gazastreifen und Israel
„Es war eine heftige Zeit, es hat uns komplett überrascht“, erzählt Emanuel, dem die Strapazen der vergangenen Tage anzusehen sind. Auch er befand sich in Tel Aviv. Der Wiener berichtet von regelmäßigem Raketenalarm. „Da mussten wir mit den Kindern in den Schutzbunker. Das war kein Spaß.“ Emanuel ist jetzt aber froh, wieder in Sicherheit zu sein.
Laut Außenministerium waren in der um 15.14 Uhr gelandeten Airbus-Maschine mit dem Namen „Osttirol“ neben 139 Österreicherinnen und Österreichern und deren Angehörigen auch Staatsangehörige aus Israel, Polen, Deutschland, den USA, Frankreich, Kroatien, Schweden, Ungarn und Großbritannien an Bord.
Nahost-Konflikt in Kürze
Antisemitismus nimmt stark zu. Seit dem Angriff der islamistischen Terrororganisation Hamas auf Israel hat es in Frankreich über 100 antisemitische Vorfälle gegeben. 24 Menschen wurden festgenommen. Auch in Großbritannien hat die Zahl der antisemitischen Straftaten stark zugenommen, 89 Zwischenfälle mit „antijüdischem Hass“ wurden nach dem Angriff auf Israel registriert.
Mehr als 300 Anzeigen bei verbotener Demo in Wien. Bei der untersagten Palästinenser-Demo Mittwochabend in der Wiener Innenstadt gab es mehr als 300 Anzeigen. Die Versammlung wurde nicht aufgelöst.
Betätigungsverbot für Hamas in Deutschland. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat gestern ein Betätigungsverbot für die Organisation in Deutschland angekündigt. Die Hamas ist von der EU und den USA bereits als Terrororganisation eingestuft.
Netanjahu will Hamas auslöschen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu droht, alle Mitglieder der radikalislamischen Palästinenserorganisation zu töten. „Die Hamas, das ist der Islamische Staat, und wir werden sie zerquetschen und zerstören, wie die Welt den Islamischen Staat zerstört hat“, so Netanjahu am Mittwochabend in seiner ersten Ansprache mit Mitgliedern des neuen so genannten Kriegskabinetts. Jedes „Mitglied der Hamas ist ein toter Mann“, sagte er. Verteidigungsminister Joav Gallant erklärte, Israel werde „die Hamas vom Angesicht der Erde wischen“.
„Granaten in volle Bunker geworfen.“ Ein Überlebender des Massakers der Hamas berichtete von der „grausamen Jagd“ der Terroristen auf Besucher eines Musikfestivals. Mit rund 20 weiteren jungen Leuten habe er es in einen Raketenschutz-Bunker geschafft. „Wir dachten, wir waren sicher“, sagte Noam Cohen. Doch der Albtraum habe dann erst begonnen. Der Bunker sei zu einer „Todesfalle“ geworden. Mehrere Terroristen hätten Granaten in den randvollen Bunker geworfen. „Ich sah, wie Menschen neben mir explodierten, immer und immer wieder, Leichenteile überall“, beschreibt Cohen die Szenen. (TT, APA, dpa)
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