„Mosaik“ von Manfred Matzka

Ex-Spitzenbeamter der Republik räumt in neuem Buch mit Legenden auf

Manfred Matzka war lange in Spitzenpositionen, doch niemals in der ersten Reihe.
© Brandstätter

Unerbittlich in seinen Urteilen, präzise in der Beobachtung: Manfred Matzka gibt in seinem neuen Buch wieder Politiknachhilfe.

Wien – Manfred Matzka. Insidern der österreichischen Innenpolitik ist der Name gut bekannt. Als Sektionschef im Innenministerium und später Präsidialchef im Bundeskanzleramt saß er stets an Schaltstellen der Republik, ohne je in die erste Reihe getreten zu sein. In einem neuen Buch verbindet er seine Erfahrung mit seinem Faible für historische Bauten. Ergebnis ist ein „Mosaik“, eine Studie des Wechselspiels zwischen Mächtigen und den Räumen, in denen sie arbeiten – und das „durchaus subjektiv gefärbt“, wie er einräumt.

Anekdoten verbinden die architektonische mit der politischen Geschichte, wenn er etwa erzählt, warum die Gesprächspartner in einem Sitzungssaal des Bundeskanzleramtes immer an einem bestimmten Platz sitzen mussten. Der Boden war schief, die Gäste saßen an der tiefsten Stelle – und wunderten sich, warum sie sich immer unterlegen fühlten.

Weil Politik aber von Menschen gemacht wird, stehen die Chefs – die Ministerinnen und Minister – im Mittelpunkt von Matzkas Tour durch die politische Geschichte der Ersten und Zweiten Republik. Um Ausgewogenheit bemüht sich der Autor nicht einmal. Subjektiv verteilt er seine Sympathien und weniger freundlichen Abqualifizierungen.

Und er räumt mit einer Legende auf: Das Büro des Bundeskanzlers mit seiner dunklen Holzvertäfelung wird oft mit Bruno Kreisky (SPÖ-Kanzler 1970 bis 1983) in Verbindung gebracht. Dabei habe sich dieser dort doch gar nicht wohlgefühlt. Die Arbeitsumgebung sei ihm aber nicht wichtig gewesen. Erst Wolfgang Schüssel zog 2000 in ein helleres Büro. Sebastian Kurz kehrte 2018 zurück. Auch Karl Nehammer arbeitet und empfängt dort, im „Zigarrenkistl“.

Matzka versteht sich als Beamter der alten Schule. Seinen Kollegen in den Sektionen, Abteilungen, Gruppen und Referaten schreibt er die echte Kompetenz zu, den Staat zu lenken. Dass die Kanzler und Minister ihre Kabinette und Stäbe personell aufblähen, kann ihm daher nicht gefallen.

Sein Urteil ist unerbittlich: „Nach wie vor ist das Kanzlerkabinett objektiv zu groß, regiert zu viel in die Administration hinein, macht mangels Fachkompetenz Fehler und trägt damit auch zum Verlust des Vertrauens der Allgemeinheit in das Amt des Regierungschefs und der Regierung bei.“

Die Führung an die Schauplätze der Macht bietet Insidern und Polit-Junkies viele Aha-Erlebnisse und Bestätigungen. Seinen Reiz gewinnt das Buch durch Anspielungen, Querverbindungen und Andeutungen. Einsteiger freilich müssen aufpassen, sich nicht in den Zimmerfluchten der Palais zu verirren.

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