20 Lkw passieren Grenzübergang: Erste Hilfslieferungen im Gazastreifen eingetroffen
Für die notleidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen zählt im Krieg zwischen Israel und der Hamas jede Stunde. Die Menschen benötigen dringend Medizin, Wasser, Essen und mehr. Nun rollen einige Laster mit Hilfsgütern an.
Tel Aviv, Gaza – Zwei Wochen nach Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas sind erste Hilfslieferungen aus Ägypten im Gazastreifen angekommen. 20 Lastwagen des Ägyptischen Roten Halbmonds passierten am Samstag den Grenzübergang in Rafah.
Die Zahl der getöteten Palästinenser im Gazastreifen stieg nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums um mehr als 200 Opfer auf 4385.
Am Samstag erklärte das Ministerium, unter den Opfern seien 1756 Kinder und Jugendliche. Seit Beginn des Kriegs zwischen der islamistischen Hamas und Israel am 7. Oktober wurden demnach zudem 13.561 Menschen verletzt. Die Angaben aus dem Gazastreifen ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Das ägyptische Staatsfernsehen zeigte mehrere Lastwagen, die den Grenzübergang in Rafah passierten. Von palästinensischer Seite aus überquerten 36 leere Lastwagen den Grenzübergang in Richtung Ägypten, wo sie mit weiteren Hilfslieferungen beladen werden sollten.
📽️ Video | Erste Hilfslieferungen im Gazastreifen eingetroffen
Auf dem ersten Konvoi waren 60 Tonnen Lebensmittel des UNO-Welternährungsprogramms (WFP). Dosen mit Thunfisch, Weizenmehl, Nudeln, Bohnen und Tomatenpaste würden so schnell wie möglich an die Bedürftigen verteilt, teilte das WFP am Samstag mit. „Diese Nahrungsmittel werden dringend gebraucht, die Verhältnisse im Süden des Gazastreifens sind katastrophal", sagte die WFP-Exekutivdirektorin Cindy McCain.
Sie appellierte an alle Seiten, weitere Konvois zuzulassen und dafür zu sorgen, dass die humanitären Helferinnen und Helfer im Gazastreifen bei der Verteilung der Hilfsgüter geschützt werden. Das WFP habe weitere 930 Tonnen Lebensmittel auf ägyptischer Seite des Grenzübergangs. Das WFP wolle 1,1 Millionen Menschen in den nächsten zwei Monaten unterstützen.
UNO-Nothilfekoordinator: „Lieferungen erst Beginn"
Der UNO-Nothilfekoordinator Martin Griffiths geht davon aus, dass dem ersten humanitären Konvoi mit 20 Lastwagen für den Gazastreifen nun zügig weitere folgen. „Ich bin zuversichtlich, dass diese Lieferung der Beginn einer nachhaltigen Anstrengung sein wird, die Menschen im Gazastreifen sicher, zuverlässig, bedingungslos und ungehindert mit lebensnotwendigen Gütern wie Nahrungsmitteln, Wasser, Medikamenten und Treibstoff zu versorgen", teilte Griffiths am Samstag in Kairo mit. „Die Menschen im Gazastreifen leiden seit Jahrzehnten. Die internationale Gemeinschaft kann sie nicht weiter im Stich lassen."
Die Grenzöffnung zur Lieferung von humanitärer Hilfe war von US-Präsident Joe Biden vermittelt worden. Die humanitären Hilfen für die Bevölkerung im Gazastreifen sollen nach Angaben des israelischen Militärs lediglich den Süden des Gebiets erreichen. Treib- und Brennstoffe seien nicht Teil der Lieferungen, teilt ein Militärsprecher mit.
Wie lange die Grenze für Hilfslieferungen offen bleiben sollte, blieb zunächst unklar. Ein Team aus Medizinern sollte mit den Lastwagen ebenfalls in den Gazastreifen einfahren. Die Vorbereitungen zur Einfahrt seien zunächst gestoppt worden wegen neuer Luftangriffe Israels in den frühen Morgenstunden, hieß es aus Sicherheitskreisen.
Rafah gilt als der einzige Weg, dringend benötigte Hilfe in den Gazastreifen zu bringen. Israel hatte einer Öffnung des Grenzübergangs für die Lieferung von Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten zugestimmt. Die Lkw und Krankenwagen waren bei einem Großaufgebot an Sicherheitskräften zur Grenze gefahren. Auf einigen steht geschrieben: „Für unser Volk in Palästina".
„Dies ist ein wichtiger erster Schritt, der das Leid unschuldiger Menschen lindern wird", kommentierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ihr Dank gelte allen, die die Öffnung des Grenzübergangs Rafah zum Gazastreifen für humanitäre Hilfe ermöglicht hätten. Die EU hatte bereits am Wochenende zuvor mitgeteilt, dass sie ihre humanitäre Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen kurzfristig auf mehr als 75 Millionen Euro verdreifacht. Zur Lieferung von Hilfsgütern wurde außerdem eine Luftbrücke nach Ägypten eingerichtet.
UN-Generalsekretär António Guterres hatte den Grenzübergang am Freitag auf ägyptischer Seite besucht und eine rasche Abfahrt für die Laster gefordert. Zwei Millionen Menschen im Gazastreifen würden „enorm leiden", weil ihnen unter anderem Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente fehlten. „Diese Lastwagen machen den Unterschied zwischen Leben und Tod für so viele Menschen im Gazastreifen." Israel verhängte nach Beginn des jüngsten Konflikts eine Blockade des Gazastreifens und riegelte die Küstenenklave damit faktisch ab.
Erste zwei Geiseln freigelassen
Knapp zwei Wochen nach der Entführung von mehr als 200 Menschen aus Israel hat die islamistische Hamas im Gazastreifen zwei der Geiseln freigelassen. Die israelische Regierung bestätigte die Freilassung der beiden Frauen am Freitagabend. Es handelt sich um Mutter und Tochter. Nach Angaben der US-Regierung sind die beiden Amerikanerinnen. Es sind die ersten Geiseln der Hamas in dem Konflikt, die frei kamen. US-Präsident Joe Biden begrüßte die Freilassung der Amerikanerinnen.
📽️ Video | Hamas ließ zwei Geiseln frei
Das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte mit, der israelische Verantwortliche für die Entführten und Vermissten, Brigadegeneral Gal Hirsch, habe die beiden Frauen an der Grenze des Gazastreifens in Empfang genommen. Die beiden seien danach zu einer Militärbasis im Zentrum des Landes gebracht worden, wo sie mit Familienangehörigen wiedervereint werden sollten.
Medien in Israel veröffentlichen in der Nacht ein erstes Foto der beiden auf israelischem Gebiet. Darauf sind die Frauen Hand in Hand mit Hirsch zu sehen. Drei bewaffnete Soldaten begleiten sie.
Die Frauen, die aus dem Kibbuz Nahal Oz nahe der Grenze zum Gazastreifen entführt worden waren, befanden sich auf dem Weg zu einem Militärstützpunkt in Zentralisrael, wo ihre Familienangehörigen auf sie warteten, hieß es in einer Erklärung des Büros von Netanyahu. Der israelische Verantwortliche für die Entführten und Vermissten, Brigadegeneral Gal Hirsh, habe sie an der Grenze des Gazastreifens empfangen.
Die Frauen sind mit Hilfe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nach Israel gebracht worden. „Die Freilassung der beiden Geiseln ist ein Hoffnungsschimmer", teilte IKRK-Chefin Mirjana Spoljaric am Freitagabend in Genf mit. Die Freilassung der beiden US-Amerikanerinnen wurde durch Vermittlung der Regierung von Katar ermöglicht, wie US-Außenminister Antony Blinken sagte. Biden bedankte sich bei Katar für die Bemühungen.
📽️ Video | Wildner (ORF) zur Freilassung der Geiseln
(APA/dpa/Reuters)
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